Mögliche Maskenpflicht für ungeimpfte Lehrer erhitzt die Gemüter

Bei der Lehrervertretung laufen Drähte heiß. Elternvertreter Tagger für möglichst viel Sicherheit.
Bregenz Aufhorchen ließ am Montagabend der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker. Er forderte die Einführung strengerer Coronamaßnahmen für sensible Berufsgruppen. Unter anderem will Hacker in Wien eine Maskenpflicht für ungeimpfte Lehrer ab dem kommenden Schuljahr. Eine Maßnahme, die nun bundesweit diskutiert wird, auch wenn es dafür noch keine einheitliche Willenserklärung gibt. Für mehrere Schuldirektoren und Lehrer in Vorarlberg würde eine Maskenpflicht für ungeimpfte Lehrer durchaus Sinn machen, für andere nicht.
“Es geht um Ängste”
“Es haben mich einige Kritiker dieses Vorschlags angerufen. Einige von ihnen sind so frustriert, dass sie an Kündigung des Schuldienstes denken, sollte das kommen. Es geht dabei gar nicht so sehr um die Maske. Es geht um Ängste, zu etwas gezwungen zu werden”, berichtet Lehrervertreter Willi Witzemann (60) von Kollegen-Reaktionen auf die Äußerungen des Wiener Gesundheitsstadtrats als auch auf die Ankündigung der Testoffensive an den Schulen durch Bildungsminister Faßmann. “Es ist ja wie beim medizinischen Personal. Da wird zuerst Übermenschliches geleistet, und danach gibt’s zum Dank Druck und Pflicht.” Er halte es mit Gesundheitsminister Mückstein, der von einer Maskenpflicht für ungeimpfte Lehrer derzeit noch nichts wissen will.
“Es haben mich Kritiker des Vorschlags einer Maskenpflicht angerufen. Die wollen am liebsten den Job kündigen.”
Willi Witzemann, Pflichtschullehrervertreter
Höchstmöglicher Schutz
Durchaus Bereitschaft zur Umsetzung einer solchen Maßnahme zeigen indes einige Schuldirektoren. “Ich habe mit der Maskenpflicht für ungeimpfte Kollegen überhaupt kein Problem”, sagt etwa Jürgen Sprickler, Schulleiter der Volksschule Haselstauden. Sprickler zur Situation an seiner Schule. “In meinem Lehrkörper sind von 25 Lehrpersonen zwei nicht geimpft. Sie gehören zu den Coronaskeptikern. Das ist ihr gutes Recht. Aber dafür sollen sie dann halt auch Maske tragen, wenn das so beschlossen wird. Ich möchte den höchstmöglichen Schutz für alle an meiner Schule.”

Ähnlich denkt Bernhard Posch (58), Direktor der Mittelschule Bregenz-Stadt. “Ich weiß, dass das wieder ein großer Streitpunkt wird. Aber wir müssen schon wissen, dass wir es an der Schule mit besonders vielen nicht geimpften Personen, nämlich den Schülern, zu tun haben. Ich würde sogar eine Impfpflicht befürworten und begrüße eine Maskenpflicht für die paar wenigen nicht geimpften Kollegen.”
Ein Volksschuldirektor aus dem Bregenzerwald, bekennender Kritiker von strengen Coronamaßnahmen, wollte sich auf VN-Anfrage nicht zum Thema äußern. “Es wird eh nicht korrekt berichtet”, meinte er lapidar.
Vulnerable Gruppen
Eine Maskenpflicht für nicht geimpfte Lehrer akzeptieren würde Pflichtschulelternsprecher Michael Tagger. “Lehrer tragen eine besondere gesellschaftliche Verantwortung. Wer das Angebot des größtmöglichen Schutzes für sich und die Kinder nicht annimmt, soll das nicht einfach ohne Konsequenzen tun können. Natürlich wäre es mir lieber, die erforderlichen Maßnahmen würden freiwillig und aus Vernunft umgesetzt.”

Aus Sicht von Armin Fidler, dem Gesundheitsexperten des Landes, sollte es überhaupt keine ungeimpften Lehrer geben. “Lehrer sind in einem Bereich mit vulnerablen Gruppen tätig, die ihnen nicht aus dem Weg gehen können. Die jungen Menschen erkranken in der Regel zwar nicht schwer, aber sie können zum Infektionsgeschehen beitragen. Eine Maskenpflicht für ungeimpfte Lehrer ist nur logisch.”