Kritik an Tierleid durch Transporte in Sommerhitze

Im Sommer leiden die Tiere auf den europäischen Straßen besonders. Keine Besserung in Sicht.
Schwarzach Die Zustände bei Tiertransporten sorgen immer wieder für Kritik. Auch die EU-Kommission hat sich des Themas schon angenommen. Meistens dreht es sich bei Diskussionen um die Länge und den Bestimmungsort der Transporte. Temperaturen sind ein Randthema. Tiertransportexpertin Patricia Patsch fordert im VN-Gespräch ein Verbot für Transporte ab 30 Grad. Die Sprecherin des Vereins gegen Tierfabriken, Ann-Kathrin Freude, äußert ebenfalls heftige Kritik an der aktuellen Praxis.

Die derzeitige Rechtslage sieht eine Transporttemperatur zwischen 5 und 30 Grad vor, allerdings mit einer Toleranzgrenze von 5 Grad. Das bedeutet, Tiere dürfen sowohl bei 0 Grad als auch bei 35 Grad transportiert werden. „Es wurde bereits von Tierschutzorganisationen mehrfach aufgedeckt, dass meistens nur Ventilatoren am Fahrzeug angebracht sind, welche die Luft zirkulieren lassen. Dadurch müssen Tiere oft bei über 35 Grad verweilen“, schreibt Patsch in ihrer Dissertation. Im VN-Gespräch ergänzt sie: „Speziell an den südlichen Außengrenzen der EU ist das nicht einzuhalten. Die Tiere bleiben lange an der Grenze stehen, niemand kontrolliert die Temperaturen.“ Ann-Kathrin Freude berichtet auch von Fällen aus Spanien. „Rinder haben eine Wohlfühltemperatur von 15 Grad“, fährt sie fort.
Eine Kontrolle wäre eigentlich nicht so schwierig, sagt Patsch. „Man müsste nur nachschauen, wie viel Grad es am Bestimmungsort hat. Wenn es zu heiß ist, dürfte man die Transporte einfach nicht erlauben.“ Freude ergänzt: „Es wird schon bei der Abfahrt zu wenig kontrolliert. Wenigstens hat Österreich angekündigt, nun in dieser Frage mit der ZAMG zusammenzuarbeiten.“ Patricia Patsch fordert, dass Tiertransporte ab 30 Grad Außentemperatur verboten werden. „Dabei muss auch auf die Luftfeuchtigkeit geachtet werden.“ Sie weist noch auf ein weiteres Problem hin: „Wenn es im Winter nach Usbekistan oder Russland geht, hat es manchmal Minusgrade in den Transportern. Das sind Rinder nicht gewöhnt.“
Ann-Kathrin Freude spricht in „Vorarlberg live“ außerdem über Vollspaltböden, Schweinehaltung in Vorarlberg und kritisiert die Haltung des Landes in Sachen Kälbertransporte.