Lange Stopps: Railjet wird in Vorarlberg zum Bummelzug

Derzeit muss der Railjet in Vorarlberg als REX-Ersatz herhalten. Doch auch im Normalbetrieb bleibt Zeit liegen.
Bregenz Der Railjet ist mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 230 Kilometer die Stunde der modernste Hochgeschwindigkeitszug der ÖBB-Flotte, der ganz Österreich verbindet – in Vorarlberg wird er jedoch eher zum Bummelzug ausgebremst. Eine Stunde und 15 Minuten dauert eine Fahrt durch das Land, eine Wegstrecke von lediglich rund 70 Kilometern.
Schuld daran sind nicht nur die für Schnellzüge ungeeignete Arlbergstrecke aus der Kaiserzeit, sondern auch lange Standzeiten. Ein normaler Halt des Railjets dauert laut Fahrplan zwei Minuten, an den Anschlussbahnhöfen Salzburg und Innsbruck sind es vier Minuten. In Feldkirch, hier trennt sich der Railjet in die Schweiz vom jenen nach Bregenz, sind es bereits fünf Minuten. Und seit Mitte Juli wartet der von Wien kommende Railjet planmäßig ganze sieben Minuten am Dornbirner Bahnhof, bevor es nach Bregenz weitergeht. Nirgends steht der Railjet so lange wie hier, nur eine Haltestelle von seinem Ziel entfernt.

Verantwortlich für die lange Standzeit in Dornbirn sind Sanierungsarbeiten zwischen der Messestadt und Hohenems. Auf einer Strecke von fünf Kilometern werden die Gleise erneuert, die Strecke ist nur eingleisig befahrbar. Einzelne REX-Verbindungen fallen aus und werden nun teilweise durch den Railjet kompensiert. „Die Fahrzeit zwischen Bludenz und Bregenz ist jedoch unverändert“, betont ÖBB-Sprecher Christoph Gasser-Mair. Die Standzeit in Dornbirn werde auf der Strecke kompensiert. Mit dem Ende der Bahnarbeiten werde sich dann auch die Standzeit in Dornbirn auf zwei Minuten normalisieren.
Viel Verkehr auf allen Gleisen
Im Umkehrschluss wird der Railjet jedoch mit Abschluss der Hohenemser Baustelle nicht schneller fahren. Dann kommt ein weiterer Faktor zum Tragen: Die Trasse ist dicht getaktet, pro Stunde und Richtung sind untertags zwei S-Bahnen und zwei höherrangige Verbindungen unterwegs. Zu den Spitzenzeiten können es sogar mehr werden. Hinzu kommen noch der Güterverkehr und die notwendigen Sicherheitsabstände. Auch wenn es für nicht jeden Fahrgast immer ersichtlich ist, die Gleisanlagen im Rheintal sind voll belegt – das bremst den Railjet aus, der sein volles Potenzial nicht ausschöpfen kann. Der Hochgeschwindigkeitszug muss sich dadurch der Geschwindigkeit der S-Bahn unterordnen, weil es kein Vorbeikommen gibt. Zwischen Bregenz und Bludenz benötigt der Railjet daher bei zwei Stopps 46 Minuten für 56 Kilometer. Zwischen St. Pölten und Linz sind es 54 Minuten für 120 Kilometer Wegstrecke, ohne Zwischenhalt.