Verirrter Nager wieder im vertrauten Gewässer

Vorarlberg / 09.08.2021 • 15:30 Uhr
Verirrter Nager wieder im vertrauten Gewässer
Mit Hilfe der Polizei verstaute die Biberbeauftragte Agnes Steininger den verirrten Biber am Bahnhof Rankweil in einer Transportbox. Polizei

Biberbeauftragte Agnes Steininger setzte Wildtier im Rankweiler Mühlbach aus.

Rankweil Es war kein alltäglicher Einsatz, zu dem die Rankweiler Polizei am Sonntagmorgen ausrücken musste. Beim Stiegenaufgang zum Bahnsteig 1 des örtlichen Bahnhofs lag zusammengekauert ein ängstlicher Biber (die VN berichteten).

Das Nagetier verhielt sich passiv, behielt die Beamten und ebenfalls anwesende Bahnarbeiter aber genau im Auge.

Bis – mit einem Fangnetz in der Hand – die verständigte Biberbeauftragte Agnes Steininger vom Land Vorarlberg vor Ort eintraf. Ihr gelang es, das Jungtier in der mitgebrachten Transportbox zu verstauen.

„Kein Kuscheltier“

Steininger freut sich über den unversehrten Zustand des Nagers. „Schon beim ersten schnellen Blick auf das Fell sah ich, dass er seinen Ausflug unverletzt überstanden hatte“, sagte die Expertin den VN.

Hätte das immerhin 70 cm große Jungtier gefährlich werden können? „Man sollte wie bei jedem Wildtier auch bei einem Biber besser einen gewissen Abstand halten. Besonders wenn er sich bedrängt fühlt. Auch ein Biber ist kein Kuscheltier, und er hat scharfe Zähne.“ Im Grunde sei das Nagetier aber harmlos und versuche, sich in solchen Situationen zu verstecken. Das gelang dem Biber beim Bahnhof allerdings nicht ohne Weiteres.

Steininger vermutet, dass das Jungtier seinen Lebensraum im nahegelegenen Mühlbach hat und sich von dort in Richtung Bahnhof verlaufen hatte. „Dieser Vorfall war bisher ein Unikum. Wir haben aber schon erlebt, dass sich ein Biber etwa in einen Garten verirrt und sich dort versteckt hat“, so die Expertin.

„Perfekt verhalten“

Inzwischen ist der Biber wieder in den Mühlbach ausgesetzt worden. „Er war frisch und munter und lief schneller in den Bach hinunter als am Sonntag in die Transportbox“, sagt Steininger, die an dieser Stelle das Verhalten ihrer Helfer loben möchte: „Die Polizei und Bahnarbeiter haben sich perfekt und nach allen Regeln verhalten.”

Der Biber hat sich in Vorarlberg seit 2006 wieder angesiedelt, nachdem er 350 Jahre zuvor ausgerottet worden war. Vor etwa einem Jahr belief sich der Bestand der Vorarlberger Biber-Population auf etwa 120 Tiere.