Eine Stadt gemeinsam gestalten

Vorarlberg / 15.06.2021 • 16:47 Uhr
Marina Hämmerle, Edgar Eller und Karin Stecher.<span class="copyright">Bischof</span>
Marina Hämmerle, Edgar Eller und Karin Stecher.Bischof

Buchpräsentation „Die Stadt als Anlass“ von Edgar Eller.

Feldkirch Edgar Eller ist den Feldkirchern vor allem als langjähriger Geschäftsführer von Stadtkultur und Kommunikation bekannt. Durch sein Engagement in dieser Funktion konnten zahlreiche in die Zukunft weisende Projekte verwirklicht werden. Am vergangenen Sonntag präsentierte er im Rahmen einer Matinee im Theater am Saumarkt nun sein Buch „Die Stadt als Anlass“. Wobei der Experte für Stadtraumgestaltung und Stadtidentität betonte, er habe in diesem Buchprojekt eher als Hauptherausgeber fungiert. Auch hierbei habe er – wie bei der Umsetzung von kulturellen Projektideen – Verbündete gesucht. Netzwerken sei ein wichtiger Bestand jeglichen Verwirklichungsprozesses.

Zu Gast waren auch Jutta Gnaiger und Martina Pfeifer Steiner.
Zu Gast waren auch Jutta Gnaiger und Martina Pfeifer Steiner.

Eine Stadt lebbar machen

Die Veranstaltung wurde von Marina Hämmerle, Architekturvermittlerin und vormalige Leiterin des Vorarlberger Architekturinstituts (vai), moderiert. Bei der Begrüßung verwies sie auf das Theater am Saumarkt als wunderbaren, zeitlosen Innenraum, der ein Herzstück des Feldkircher Kulturlebens bilde. Edgar Eller gehe es darum, Inhalte entlang der Schiene von Städten und Kommunen zu vermitteln: „Ein Hauptfokus liegt darin, eine Stadt nicht vermarktbar, sondern erlebbar zu machen.“ Es sei ein Anliegen Ellers, der digitalen Gesellschaft bei der Umsetzung in die Realität zu helfen: „Die Dinge wahrzunehmen, begreifbar zu machen und auch zur Verwirklichung zu führen.“ Statt einer Marketingsstrategie brauche es eine Kulturstrategie. Feldkirch sei derzeit die angesagteste Stadt Vorarlbergs, hierzu haben viele Player beigetragen. „Eine Stadt kann nur gemeinsam gestaltet werden“, so Eller.

Rolle des Ermöglichers

Eller erläuterte, dass bestimmte Muster erst in der Rückschau erkennbar waren: „Das Buch bildet eine Sammlung von Konzeptideen und deren Umsetzung. Es gibt viele Gestalter in den Gemeinden und Städten. Ich habe meine Aufgabe immer als die eines Ermöglichers gesehen. Im Rückblick gesehen lagen die Hürden vielfach in der Struktur.“ Hämmerle ging sodann auf die Wechselfunktion in der Kommunikation zwischen Menschen und Landschaft ein: „Es braucht dieses genaue Betrachten. Was erzählt ein Ort? Es ist eine bestimmte Form der Intelligenz beziehungsweise des Wissens an Orten gespeichert. Viele städtische Projekte basieren auf diesem Wissen.“ Die Bedeutung eines Ortes liege also nicht nur in seiner Lage in einer Landschaft, sondern eben auch in seiner kulturellen Bedeutung: „Dieses Wechselspiel ergibt eine Identität.“

Dietmar Nigsch und Peter Bilger lauschten den Ausführungen Ellers.
Dietmar Nigsch und Peter Bilger lauschten den Ausführungen Ellers.

Beispiel Feldhotel

Eller berichtete sodann von der Umsetzung des ersten Projekts in seiner Funktion in Feldkirch, nämlich vom „Feldhotel“ des Architekten Martin Mackowitz: „Martin und sein Team hatten eine ausgezeichnete Vorarbeit geleistet, bis wir es vor acht Jahren im Rahmen der Potentiale Feldkirch, die damals noch art design hieß, umsetzen konnten. Bei der Realisierung haben wir uns vorwiegend auf den Ort als solchen und die Beziehung zwischen den Gebäuden konzentriert.“ Es sei ein Vorteil, Projekte direkt vor Ort zu entwickeln. Die vielseitige Historie des Ortes sei von den Teilnehmern aufgenommen worden, ohne dass diese erzählt worden sei: „Man spürt es einfach, wenn man dort ist.“ Für die erfolgreiche Umsetzung eines Projekts brauche es viele kleine Initialzündungen. Hämmerle ergänzte dazu: „Kulturleistung braucht nicht immer ein großes, historisches Gebäude – diese findet man mitunter auch dort, wo man es gar nicht erwartet.“ Bei der Entwicklung einer Stadtkultur spielen aber auch die unterschiedlichen Erwartungshaltungen der beteiligten Protagonisten eine große Rolle. BI