Was Karina Lechtaler den S 18-Gegnern alles zu sagen hat

Vorarlberg / 14.06.2021 • 05:30 Uhr
Was Karina Lechtaler den S 18-Gegnern alles zu sagen hat
Karina Lechtaler hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass eine Entlastungsstraße Lustenau vom Verkehr befreien wird. VN/LERCH

Die 53-jährige Lustenauerin beschreibt ihr Leben im Verkehrs-Hotspot und begründet ihr Engagement.

Lustenau Die Sprecherin der Bürgerinitiative für den Bau einer Entlastungsstraße in Lustenau sieht die Realisierung der CP-Variante als einzige Chance für die Befreiung von der Verkehrslawine. Sie zeigt Verständnis für die Anrainer der CP, kritisiert gleichzeitig andere und würde sich insgesamt viel mehr Berücksichtigung der Anliegen der L 203-Anwohner wünschen.

Die Ostumfahrung Lustenau als S 18-Entlastungsstraße soll nun die Gemeinde vom überbordenden Verkehr befreien. Glauben Sie an die Umsetzung dieses Projekts?

Wann, wann nicht jetzt soll diese Straße gebaut werden? In der leidvollen Geschichte des Kampfes für eine Entlastungsstraße hatten wir noch nie eine so klar begründete und untersuchte Festlegung auf einen Korridor. Ja, die Hoffnung lebt. Sie war auch nie verschwunden.

Favorisiert im Rheintal-Prozess wurde die Z-Variante durchs Ried. Macht es für Sie einen Unterschied, dass nun die CP weiterverfolgt wird?

Schlussendlich zählt für uns Anrainer der L 203 die Entlastung. Welche Variante diese garantiert, ist zweitrangig. Wichtig ist, dass wir ein umsetzbares Projekt vorliegen haben.

Die Gegner der jetzt vorliegenden Variante haben sich sogleich zu Wort gemeldet, von den Befürwortern war nichts zu hören. Wie erklären Sie sich das?

Dass die Gegner sich zu Wort melden, war für mich klar und nachvollziehbar. Aber man sollte jetzt einfach einmal die Detailplanung abwarten und schauen, wie die Straße ausgeführt wird. Wenn alles untertunnelt wird, sieht es vielleicht anders aus. Die Zustände, die wir hier Tag für Tag ertragen müssen, sind jedenfalls schon lange nicht mehr zumutbar. Die Befürworter sind in ihrem 40-jährigen Kampf schon öfters enttäuscht worden. Deshalb gibt es da eine Zurückhaltung. Ich interpretiere das Schweigen jedoch als Zustimmung zum Projekt.

Was Karina Lechtaler den S 18-Gegnern alles zu sagen hat
Immer wieder protestieren die Menschen gegen die zunehmende Verkehrsbelastung an der Durchzugsstraße L 203 in Lustenau. Die CP-Variante soll nun Abhilfe schaffen. VN/Steurer

Wie erleben Sie die tägliche Belastung?

Bei uns geht es um 5 Uhr in der Früh los. Wenn an Werktagen die Lkw heranbrausen fühlt es sich an wie ein Donner. Dazu vibriert es. Wenn der Schwerverkehr dann endlich vorbei ist, hören wir am Abend oft wahnsinnige Pkw-Lenker. Es quietschen Reifen, wenn wieder einmal Autorennen stattfinden. Durch die mittlerweile an der Straße gebauten Wohnblocks wird der Schall zurückgeworfen. Es ist also noch lauter und belastender als vor einigen Jahren.

Wie kann man sich da zu schützen versuchen?

Wir haben einen Teil unseres der Straße zugewandten Bodens verkauft und durften dann endlich auch eine Lärmschutzwand bauen, was uns 2004 aus ortsbildnerischen Gründen noch verboten wurde. Grundsätzlich muss sich jeder so schützen, wie es ihm halt geht. Diejenigen, die in einem Wohnblock direkt an der Straße leben, sind sicher noch ärmer dran.

Haben Sie jemals daran gedacht, ihr Haus zu verkaufen und irgendwo anders hinzuziehen?

Nein, das hatten wir nie vor. Man hat uns ja immer wieder damit vertröstet, dass wir eines Tages durch eine Straße entlastet würden. Es kommt das Emotionale dazu. Hier liegen meine Wurzeln, hier bin ich aufgewachsen. Abgesehen davon, musst du zuerst etwas Gleichwertiges finden. Ich möchte auch darauf hinweisen, dass unser Haus schon da war, bevor der große Verkehr kam. Es ist nicht so, dass wir bewusst etwas an einer vielbefahrenen Straße gekauft hätten und uns dann dagegen wehren, dass es diese Straße gibt.

Was denken Sie über die Straßengegner?

Da muss ich differenzieren. Ich habe absolutes Verständnis für die Anrainer der CP-Variante. Bei denen existiert eine nachvollziehbare Angst vor Veränderung, und ich hoffe, dass die Detailplanung ihre Ängste wird nehmen können. Es gibt aber auch jene, die vom konkreten Problem überhaupt nicht betroffen sind. Die treten zum Teil mit einer unglaublichen Ignoranz uns gegenüber auf. Denen fehlt jegliche Fähigkeit, ein Gesamtbild zu erstellen. Die können sich auch nicht in unsere Situation hineinversetzen. Und wenn ich dann von solchen, die im Bürgerforum seit vielen Jahren dabei sind, immer wieder den Vorschlag mit der für uns völlig nutzlosen Variante Mäder höre, muss ich den Kopf schütteln.

Es hat unlängst einen Streit wegen des Begriffs “Lebensraum Lustenau” gegeben, der auch von den Gegnern der CP-Variante verwendet wird. Ist dieses Problem nun gelöst?

Ja, den Streit haben wir beigelegt. Es hat da ein Missverständnis gegeben. Das wurde ausgeräumt.

Wird es von Ihrer Gruppe in absehbarer Zeit auch wieder Aktivitäten geben – so wie früher?

Uns geht es schon länger um das Aufzeigen des Problems an den richtigen Stellen. Auf die Existenz des Problems müssen wir ja nicht mehr hinweisen. Nun sollen sich die Spezialisten mit der Lösungsfindung und der Umsetzung beschäftigen.

Karina Lechtaler

Die 53-jährige Mutter zweier erwachsener Söhne lebt seit ihrer Kindheit an der L 203. Sie wurde vor 17 Jahren zur Sprecherin einer Gruppe mit Namen “Lebensraum Lustenau” und engagiert sich mit wechselnden Mitstreitern – einige sind schon gestorben – für eine Entlastungsstraße.