Covid-Impfung für Junge scheidet die Geister

Vorarlberg / 14.06.2021 • 18:12 Uhr
Covid-Impfung für Junge scheidet die Geister
Die Impfstraße in Dornbirn wird am kommenden Samstag der Schauplatz der ersten großangelegten Jugend-Impfaktion. VN/STEURER

Anstelle der Kinder sollten sich Erwachsene konsequent impfen.

bregenz Dass sich die Diskussion um die Covid-19-Impfung für 12- bis 15-Jährige noch aufschaukeln könnte, hat Bernhard Jochum fast erwartet. Mehr wollte der Fachgruppensprecher der rund 30 Kinder- und Jugendärzte vorerst aber nicht dazu sagen. Am Montagabend fand nämlich eine planmäßige Sitzung statt, bei der auch das Impfthema behandelt wurde, das, wie berichtet, für Diskussionen sorgt, nachdem der aks seine Bedenken zu einer Impfung für die Jugendlichen kundgetan hatte. Dabei war es vor allem die Aussage einer Ärztin, wonach Kinder nach einer Coronainfektion in 50 Prozent der Fälle an Long Covid laborieren, die Hans Concin aufstieß: „Diese Aussage ist wissenschaftlich falsch“, hielt der langjährige Leiter der aks Wissenschaft dagegen. „Als verantwortungsbewusste evidenzbasierte Gesundheitsorganisation müssen wir Stellung nehmen“, ergänzte Concin.

Zur Entspannung beitragen

Der Gesundheitsexperte und Berater des Landes in Coronafragen, Armin Fidler, sprach hingegen von einer unnötigen Verunsicherung der Erziehungsberechtigten und verwies, wie in den VN berichtet, einmal mehr darauf, dass in den USA bereits über eine Million 12- bis 15-Jährige problemlos geimpft worden sind. Der aks wiederum möchte die Beunruhigung der Eltern durch falsche Long Covid-Zahlen korrigieren und zu einer Entspannung beitragen, wie Hans Concin erklärte. Die kritisierte aks-Aussendung bezeichnete er als ausgewogen, differenziert und offen: “Sie schlägt nur vor, noch etwas zu warten bis die wissenschaftliche Evidenz breiter ist.” Die Notzulassung der Covid-Impfung sei für Notfälle, die bei Kindern nicht bestehen würden. “Kinder werden von Erwachsenen infiziert, die sollen sich konsequent impfen lassen”, stellt Concin seine Sicht der Dinge klar.

Die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) begrüßt explizit die Umsetzung eines entsprechenden Covid-Impfprogramms für Kinder und Jugendliche. Als wesentlichstes Argument wird der durch die Impfung zu erwartende Individualschutz genannt. Die Analyse österreichischer Daten hat ergeben, dass im Kindes- und Jugendalter bei etwa einer von 1000 Infektionen mit einem schweren Verlauf zu rechnen ist. Bisher mussten in Österreich ca. 500 Patienten in der Altersgruppe der 0- bis 19-Jährigen stationär aufgenommen werden, und es wurden drei Todesfälle registriert. In Vorarlberg mussten in den vergangenen 16 Monaten insgesamt 44 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre mit Corona in einem Krankenhaus, aber nicht intensivmedizinisch behandelt werden.