Unerschöpfliche Metaphern

Matinee mit Autor Franzobel und Robert Schneider.
Feldkirch Das Theater am Saumarkt macht immer wieder mit literarischen Höhepunkten auf sich aufmerksam. So auch am Sonntag mit einer Matinee, bei der sich Marie-Rose Rodewald-Cerha, Kuratorin der Literaturreihe „Biographien – erforschen, erinnern, erfinden?“, sehr erfreut über gleich zwei spannende Gäste zeigen konnte: Autor und Ingeborg-Bachmann-Preisträger Franzobel und Schriftsteller Robert Schneider. Als Auftakt zitierte Moderator Schneider im Gespräch mit Franzobel den „Dichterfürsten“ Johann Wolfgang von Goethe: „Es darf nur der über mich reden, der meine Bücher liest.“ Im Laufe der Matinee outete er sich als großer Franzobel-Fan. Dessen neuestes Werk „Die Eroberung Amerikas“ bezeichnete er als „unfassbar grausames Buch“, gleichzeitig verwies er auf „ein erzählerisches Wunder“. In Franzobels humorvoller Sprache sei ein wirkungsmächtiger literarischer Zugang zu einem Teil der Kolonialgeschichte Südamerikas entstanden.
Einblick in die Kolonialgeschichte
Franzobel schildert im Buch die Geschichte von Ferdinand Desoto, der Pizarro, ein berühmt-berüchtigter spanischer Conquistadore des beginnenden 16. Jahrhunderts, nach Peru begleitete, dem Inkakönig Schach und Spanisch beigebracht, dessen Schwester geschwängert und mit dem Sklavenhandel ein Vermögen gemacht hatte. Desoto war bereits berühmt, als er 1538 eine große Expedition in Florida startete, die eine einzige Spur der Verwüstung durch den Süden Amerikas zog. Knapp 500 Jahre später klagte ein New Yorker Anwalt im Namen aller indigenen Stämme auf Rückgabe der gesamten USA an die Ureinwohner. Franzobel bezeichnete die Geschehnisse als „Dachverband der Inquisition“, die die grausame Unterhaltung dieser Zeit lieferte, außerdem erzählte er von der witzigen wie auch bizarren Begegnung der Abenteurer und Soldaten mit ihrem Kaiser, Karl V. Zudem zeigte er in fantasievollen Bildern die Begegnung mit dem unbekannten Land und den Menschen dort auf sowie die Perspektive europäischer Aggressoren, die gänzlich von Neugier und Erwartung geprägt war.
Umfangreiche Recherchen
Im anschließenden Dialog erläuterte der Autor die intensive Arbeit am Buch. Diese begann mit Recherchen in Brasilien, von denen er noch rechtzeitig vor dem Lockdown nach Österreich zurückkehrte. Die Eindrücke und Erlebnisse auf der Reise bildeten die wesentliche Inspiration für das Buch. Allerdings waren für den Geschichtswissenschaftler auch viele historische Recherchen notwendig, erst durch diese konnte er einen umfassenden Einblick in diesen Geschichtsabschnitt gewinnen.

„Die Eroberung Amerikas“ gilt für Schneider als Feuerwerk des Einfallsreichtums und zugleich als Gleichnis für die von Gier und Egoismus gesteuerte Gesellschaft, die von eitlen und unfähigen Führern in den Untergang gelenkt wird. Mit den Worten: „Schauen Sie sich die Metaphern an, die Franzobel findet, die sind unerschöpflich, einfach großartig“, legte Schneider den Besuchern die Lektüre des Buchs ans Herz. BI