KäseStraße gibt hautnahen Einblick in die Älplertradition

Dutzende Sennalpen laden einen Sommer lang zu vielfältigen Veranstaltungen ein.
Schwarzenberg Die Alpwirtschaft hat die Entwicklung des Bregenzerwaldes nachhaltig geprägt – und dabei spielte die bis heute praktizierte Dreistufenlandwirtschaft (Heimgut, Vorsäß, Hochalpe) eine maßgebliche Rolle. Aus dieser Alptradition sind im Laufe der Jahrhunderte sogar Bregenzerwälder Dörfer entstanden. Zum Beispiel Mellau, das bis ins 13., 14. Jahrhundert nur Alp- und Vorsäßgebiet von Schwarzenberg war. Erst ab dann blieben immer mehr Älplerfamilien ganzjährig hier und Mitte des 15. Jahrhunderts kam es schließlich zum Bau einer ersten Kirche und der Errichtung einer eigenständigen Pfarrei.
Noch länger dauerte es mit der Entstehung von Schoppernau – bis ins 17. Jahrhundert die „Schapernow“ (Schafweide) von Au – ehe 1682 daraus die Pfarre Schoppernau wurde.
Prinzip bis heute unverändert
Alpwirtschaft und Dreistufenlandwirtschaft war in früheren Jahrhunderten für das Vieh der Bauern eine überlebenswichtige Notwendigkeit: Im Talbetrieb musste den Sommer über Heu eingefahren werden, Futtervorrat für den Winter.
In dieser Zeit von etwa Mitte Mai bis Anfang Juli weidete das Vieh im Vorsäß, um dann um Kilian (8. Juli) auf die Hochalpe, die dritte Stufe, weiter zu ziehen.
Dort blieb das Vieh bis Mitte September, ehe es am Heiligkreuztag (14. September) zurück ins Heimgut ging. Ein Teil des Alpviehs bleibt im Herbst noch einmal für einige Wochen im Vorsäß, ehe es endgültig zurück in den Talbetrieb geht.
Geänderte Vorzeichen
Im Wesentlichen wird dieser jahreszeitliche Ablauf auch heute noch praktiziert, wenngleich das Argument der Heuproduktion nicht mehr die zentrale Rolle spielt. Heute gewinnt die Notwendigkeit der Pflege unserer Bergwelt durch die Alpwirtschaft immer mehr an Bedeutung. Langfristige Sicherung des Bergerlebnisses durch die Alpwirtschaft ist für den Tourismus unverzichtbar. Gleichzeitig sind die Alpen ein wichtiger Teil des touristischen Angebots, wie KäseStraßen-Obmann Max Bereuter, Herlinde Moosmann, Geschäftsführerin Bregenzerwald Tourismus, Erich Schwärzler, Obmann der Almwirtschaft Österreich und Projektleiter Reinhard Lechner darlegten.
Veranstaltungsoffensive
Diese Vernetzung von Alpwirtschaft und Tourismus soll heuer den Urlaubsgästen bewusst gemacht werden. Dafür gibt es in 37 Vorsäßen und Sennalpen der KäseStraße mehr als 100 Veranstaltungen – angefangen vom Älplerfrühstück über Betriebs- und Alpführungen und geführte Wanderungen mit Naturpark-Rangern bis zu informativen Spaziergängen mit Älplern.
Ergänzend dazu wurden auch kulinarische Angebote kreiert, wie bei der Präsentation des Alpsommers erläutert wurde.
Ein Ort mit Symbolkraft
Für diese Präsentation hatten die Projektleiter Reinhard Lechner und Caroline Jäger von der KäseStraße einen Ort mit besonderer Symbolkraft gewählt: die Alpe Oberlose am Bödele. Schnittstelle zwischen dem Ballungsraum Rheintal und dem Bregenzerwald, Schnittstelle aber auch zwischen Alpwirtschaft und Tourismus, ist doch die Alpe eingebettet in touristische Einrichtungen – auf der einen Seite Hotels und Ferienhäuser rund um die Passhöhe, auf der anderen fast in Rufweite der legendäre Lanklift.
Treffender kann die Partnerschaft von Alpwirtschaft und Tourismus nicht dargestellt werden, zumal das Alpgebäude auch noch durch das Alpengasthaus, die Meierei, ergänzt wird.
Von der Sennsuppe zu Hapas
Kulinarisch hält der Alpsommer der KäseStraße unter dem Motto „Alpen zum Reinbeißen“ nicht nur die bekannten Älplerspezialitäten wie Sennsuppe, Hirtenkrapfen, Älpler oder Zieger-Nocken bereit, eine Mutation der spanischen Tapas – die Wälder Hapas – haben das Potenzial, der „Älplerhit des Jahres“ zu werden. STP

Herlinde Moosmann: „Alpwirtschaft und Tourismus sind im gleichen Boot.“ Im Hintergrund Landwirtschaft (Alpvieh) und Tourismus (Lanklift). STP/4

Haben das Potenzial zum „kulinarischen Hit der Saison“: Wälder Hapas ...

Margit und Lothar Sieber – seit 26 Jahren Älpler auf Oberlose.