Keine Masern, aber viele Coronainfektionen

Vorarlberg / 04.06.2021 • 18:19 Uhr
Keine Masern, aber viele Coronainfektionen
Das Coronajahr ließ offenbar auch den Masern keine Chance. VN

Statistik der meldepflichtigen Infektionskrankheiten hält einige Überraschungen bereit.

bregenz Die Coronapandemie hat nicht nur viele Existenzen und Leben, sondern auch gesundheitliche Entwicklungen zum Teil gründlich auf den Kopf gestellt. Ein eindrückliches Beispiel dafür liefert die von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) erstellte Statistik zu den meldepflichtigen Infektionskrankheiten aus dem vergangenen Jahr. Auffällig daran ist jedoch nicht so sehr, dass die Coronainfektionen mit insgesamt 20.066 Fällen klar dominieren. Vielmehr erstaunt das Fehlen von Masernerkrankungen.

Schutzmaßnahmen wirkten

Landesweit gab es demnach keinen einzigen Fall. “Ich verstehe das selbst nicht”, sinniert Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher im VN-Gespräch. Bis 2020 habe es jedes Jahr zumindest ein paar Maserninfektionen gegeben. Grabher vermutet einen engen Zusammenhang mit den erlassenen Hygiene- und Schutzmaßnahmen und verweist auf die Influenza, von der österreichweit lediglich zwei bestätigte Fälle bekannt sind. “Masern werden ebenfalls durch Tröpfchen übertragen, und gegen diese Form der Ansteckung, das wissen wir, helfen Masken”, führt er weiter aus.

Abgesehen von diesen Ausreißern ist wenig Bewegung bei den meldepflichtigen Infektionskrankheiten zu beobachten. Das bestätigt auch Wolfgang Grabher und spricht von geringen Veränderungen. Die etwa durch Noroviren verursachten Durchfallerkrankungen blieben mit 41 beinahe konstant. Die meisten davon, nämlich 20, wurden im Bezirk Feldkirch festgestellt. Legionellen betrafen 18 Personen. Die Zahl der Tuberkulose-Erkrankungen blieb im Coronajahr mit 11 Fällen ebenfalls im Rahmen. Die ansteckende TBC tritt pro Jahr bei 10 bis 20 Personen auf. Übertragungen kommen laut Graber aber praktisch nicht mehr vor. “Es handelt sich um importierte und reaktivierte Tuberkulosen”, erklärt er. Zum einen heilt eine Tuberkulose nicht mehr gänzlich aus, sodass sie speziell in höherem Alter wieder durchbricht. Zum anderen bringen sie Zuwanderer mitunter aus ihren Heimatländern mit.

Viele Lebensmittelvergiftungen

Die durch Zecken verursachte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) scheint mit elf Fällen im epidemiologischen Meldesystem auf. Das ist ein Negativrekord für Vorarlberg. Die vom Campylobacter verursachten Lebensmittelvergiftungen stehen mit 329 Fällen zu Buche. Zahlreich sind nach wie vor auch die Hepatitisinfektionen, wobei die durch Blut und Sexualkontakte übertragene Hepatitis B mit 31 Fällen besonders hervorsticht. Lediglich drei Infektionen betreffen die Hepatitis A, ein unliebsames Urlaubsmitbringsel. Deutliche Rückgänge stellte Wolfgang Grabher auch bei anderen typischen Reiseerkrankungen wie Gelbfieber oder Cholera fest. Geschuldet war dies den coronabedingt drastisch eingeschränkten Reiseaktivitäten. Die den Menschen jetzt wieder zugestandene Reisefreiheit dürfte nach Ansicht von Grabher die Zahl der damit verbundenen Krankheiten aber wieder steigen lassen.