Der Feuerbrand war heuer gnädig

Vorarlberg / 04.06.2021 • 05:30 Uhr
Der Feuerbrand war heuer gnädig
Was gibt es Schöneres als blühende Obstbäume, die irgendwann einmal eine gute Ernte einbringen. Das meint auch Daria. VN/LERCH

Nur an drei Tagen richtete die für Obst gefährliche Bakterienkrankheit Schäden an. Betroffen waren die Birnen.

Höchst Die Wachstumsperiode des heimischen Obstes hat mehrere Gegner. Die zwei Hauptgefahren kommen vom Frost und vom Feuerbrand. „Diesbezüglich sind wir heuer ganz gut durchgekommen“, herrscht bei Jens Blum, dem größten Obstbauer im Land, Erleichterung.

Die zwei gefährlichsten Hürden für die heurige Ernte haben wir bereits übersprungen.”

Jens Blum, Obstbauer

Gefährlicher Föhn

Zwei kritische Situationen gab es bisher zu überstehen. Die erste bezieht sich auf die Frostnacht vom Ostermontag auf den Dienstag. „Damals kamen Frost und Wind zusammen. Da konnte ich die Frostberegnungsanlage nicht in Betrieb setzen. Einige Schäden waren unvermeidlich“, berichtet Blum.

Die zweite kritische Situation war vor drei Wochen. Da zog der Föhn durchs Land und die Quecksilbersäule kletterte auf 28 Grad. „Drei Tage lang herrschten Infektionsbedingungen für den Feuerbrand. Das konnte natürlich nicht ganz ohne Folgen bleiben“, resümiert der Höchster Landwirt.

Kurzzeitig hatte Obstbauer Jens Blum heuer auch mit dem Frost zu kämpfen. Jetzt ist das Schlimmste für das Obst überstanden. <span class="copyright">VN/Steurer</span>
Kurzzeitig hatte Obstbauer Jens Blum heuer auch mit dem Frost zu kämpfen. Jetzt ist das Schlimmste für das Obst überstanden. VN/Steurer

Spätere Ernte

Aus heutiger Sicht schätzt Blum den Ernteverlust bei den Birnen auf durchschnittlich 25 Prozent. „Aber dafür haben wir jetzt hoffentlich die zwei höchsten Hürden übersprungen”, gibt sich Blum optimistisch. Kleiner Wermutstrophen neben dem sich abzeichnenden geringeren Ertrag: “Die Äpfel werden heuer etwas kleiner”, betont Blum. Schuld daran ist das kühle und nasse Wetter, das nicht nur die Obstbauern im Land durch den ganzen Frühling begleitete.

Bereits klar ist auch die spätere Ernte. “Wir sind heuer aufgrund des Wetters später dran als in den Jahren zuvor”, muss nicht nur Blum feststellen. So wie ihm geht es den anderen Obstbauern im Land auch.

Problem seit vielen Jahren

Den Feuerbrand überstehen mussten die Obstlandwirte heuer zum zweiten Mal ohne das Antibiotika Streptomycin. Dies ist ein Antibiotika, das in den Jahren zuvor bei extremen Infektionsbedingungen unter strengen Auflagen zum Schutz der Früchte gegen die Bakterienkrankheit eingesetzt werden durfte. 

Vor allem Umweltschützer haben sich immer wieder vehement gegen die Verwendung des Mittels eingesetzt. Sie befürchten nachhaltige Schäden für Natur und Umwelt und sehen dadurch speziell die Bienen gefährdet.

Laut Blum wäre ein Einsatz von Streptomycin heuer aber ohnehin nicht zur Diskussion gestanden. Die Bakterienkrankheit macht den Landwirten in der Bodenseeregion schon seit vielen Jahren zu schaffen. Besonders 2007 geht als fatales Feuerbrandjahr in die Geschichte des Obstbaus ein.