Ausschreibung für Teststraßen sorgt weiter für Unmut

Vorarlberg / 03.06.2021 • 05:30 Uhr
Ausschreibung für Teststraßen sorgt weiter für Unmut
Nach dem Rückzug des Roten Kreuzes aus den Teststraßen geht es auch um die Frage, was mit den Mitarbeitenden geschieht. VN/PAULITSCH

Privater Anbieter AMZ verärgert über Klausel. Anderes Unternehmen würde bei Zuschlag RK-Mitarbeiter übernehmen.

feldkirch Die vom Land in Auftrag gegebene Ausschreibung für den Betrieb von Teststraßen sorgt immer noch für Wirbel. Das Rote Kreuz hat bereits angekündigt, sich nicht beteiligen zu wollen, und auch der private Testanbieter AMZ, der in Röthis eine Teststation betreibt und den Ball ins Rollen brachte, zögert noch. Gänzlich abgeschrieben ist eine Bewerbung zwar nicht, wie Rechtsanwalt Dr. Linus Mähr auf VN-Anfrage bestätigte. Allerdings hegt er Zweifel an der Rechtmäßigkeit einer Klausel, laut der für den Auftraggeber keine Verpflichtung besteht, die benötigte Leistung beim Betreiber abzurufen, selbst wenn ein entsprechender Bedarf gegeben ist. “Das bedeutet, es können weiterhin andere mit der Durchführung beauftragt werden”, erklärt Mähr und fügt noch an: “Wir hätten bei der Ausschreibung gerne mitgemacht.” Noch ist aber nichts entschieden. Es werde kommende Woche interne Beratungen geben, kündigte der Rechtsvertreter an. 

Zunahme an PCR-Tests

Den sinkenden Bedarf an Antigentests bekommt unterdessen auch das AMZ zu spüren. Linus Mähr berichtet von einem Rückgang bei den Schnelltests von 15 Prozent. Dafür würden die PCR-Tests stark zunehmen. Er führt das auf die Entscheidung des Landes zurück, die Kosten für PCR-Tests von Selbstzahlern nicht mehr zu übernehmen (die VN berichteten). Seit 1. Juni arbeitet das AMZ bei den PCR-Tests zudem mit den Apotheken zusammen.

Übernahmeangebot

Das Rote Kreuz, das seit Beginn der Pandemie die Teststraßen im ganzen Land betreibt, zeigt definitiv kein Interesse mehr daran, weder als Landesverband noch mit der im Frühjahr gegründeten Handels- und Service GmbH. Das hat der aus 26 Personen bestehende Verbandsausschuss beschlossen. “Mit dem neuen Unternehmen wäre eine Bewerbung möglich”, sagte Geschäftsführerin Janine Gozzi im VN-Gespräch.

Das Rote Kreuz wolle sich jetzt aber auf seine Kernkompetenzen konzentrieren. “Teststraßen führen können andere auch”, bemerkt Gozzi. So will sich etwa die Handels- und Service GmbH vor allem um soziale Projekte kümmern. Eine Lösung scheint auch für die vom Roten Kreuz irekrutierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Sicht. “So lange das Ausschreibungsverfahren nicht abgeschlossen ist, gibt es für alle eine Beschäftigungsgarantie”, bekräftigte Gozzi.

In Spitzenzeiten beschäftigte das Rote Kreuz 210 Personen zusätzlich, das entspricht rund 160 Vollzeitäquivalenten. Rund 20 Prozent kamen aus dem Hotel- und Gastgewerbe. Sie wollen demnach in ihren angestammten Beruf zurück. Aus dem Angestelltenbereich des Roten Kreuzes selbst taten 20 bis 30 Personen Dienst in Teststraßen. “Die brauchen wir wieder im Normalbetrieb”. Alle anderen Mitarbeitenden sollen von einem Unternehmen, das sich an der Ausschreibung für den Teststraßenbetrieb beteiligen will, ein Angebot zur Übernahme erhalten. Um welches Unternehmen es sich handelt, wollte Janine Gozzi nicht sagen. Es sei Stillschweigen vereinbart worden.

Interesse bekundet

Sehr wohl Interesse am Betrieb der Teststraßen in Vorarlberg bekundet die WEMS Consulting und Trading GmbH, einer der größten privaten Test- und Impfanbieter. “Wir haben alle Ausschreibungen auf dem Radar, bei Vorarlberg sind wir jedoch noch im Entscheidungsprozess”, erklärte Nisa Maier von der Geschäftsleitung auf VN-Anfrage. WEMS führt betriebliche Testungen durch, auch im Rahmen der Initiative “Sichere Gastronomie” und ist österreichweit mit 60 mobilen Teams unterwegs, unter anderem auch in Lech-Zürs. Man verfüge selbst über einen großen Mitarbeiterpool, kooperiere bei Bedarf aber auch mit anderen Partnern, hielt sich Maier bezüglich der Übernahme von RK-Mitarbeitenden aber bedeckt.