Caritas mahnt Politik für Kinder ein

Caritas-Direktor Walter Schmolly fordert eine Taskforce, damit Landesregierung ihr Ziel endlich angeht.
Hohenems Vorarlberg soll sich bis 2035 zum chancenreichsten Lebensraum für Kinder etablieren. Schon auf der ersten Seite des Regierungsprogramms findet sich dieses Ziel. Die Realität sieht derzeit jedoch anders aus. Laut 2019er-Zahlen der EU-Haushaltsbefragung (EU-Silc) sind derzeit zwischen 20.000 und 30.000 Kinder und Jugendliche bis 24 Jahren in Vorarlberg armuts- oder ausgrenzungsgefährdet, rechnet Michael Diettrich von der Vorarlberger Armutskonferenz vor. Die Caritas schlägt nun Alarm. Sie verlangt von der Landesregierung, den Worten endlich Taten folgen zu lassen. Vorarlbergs Caritas-Direktor Walter Schmolly fordert, dass rasch eine Arbeitsgruppe eingerichtet wird, die konkrete Maßnahmen aufsetzt. „Wir müssen endlich ins Tun kommen.“ Anlass der Forderung ist der Jahresbericht 2020, den die Caritas am Dienstag präsentierte. Es ist ein Rückblick auf ein besonderes Jahr.
Ansturm auf die Suchtberatung
Die Coronapandemie und deren Bekämpfung stellte auch die Arbeit der Caritas auf die Probe, zum Beispiel die Hospizbegleitung, wie Schmolly ausführt. „Es gab Menschen, die sterben mussten, ohne dass ihnen jemand die Hand hält.“ Insgesamt habe sich das Bild bei den Beratungen verändert: Es kommen mehr Österreicher und Menschen, die bisher keine Beratung benötigt haben. Bei den Notwohnungen sei die Herausforderung gewesen, dass es nicht mehr nur um eine Übernachtung geht, sondern um einen längeren Zeitraum. Auch die Suchtberatung war besonders gefordert. „Die Zahl der Beratungen nahm in den ersten vier Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr um 140 Prozent zu.“
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Rund 46 Millionen Euro gab die Caritas im Vorjahr aus. 11,5 Millionen Euro wurden für die Flüchtlingshilfe verwendet. Es war auch schon einmal doppelt so viel. Zweitgrößter Posten ist der Bereich „Assistenz und Teilhabe“ mit 7,7 Millionen Euro, gefolgt von der Auslandshilfe (6,4 Millionen Euro) und „Arbeit und Qualifizierung“ mit 5,9 Millionen Euro. 21,7 Millionen Euro des Haushalts stammen aus öffentlichem Geld, 4,8 Millionen wurden selbst erwirtschaftet. 8,2 Millionen Euro nahm die Caritas als Spenden und über Sponsoren ein, 10,5 Millionen waren Subventionen aus öffentlicher Hand.
Auch Bandbreite als Problem
Die Caritas stellte ihre Zahlen im Lerncafé in Hohenems vor. Laut Projektleiterin Bea Bröll wurden im letzten Jahr in den Cafés 312 Schüler begleitet. 100 Schüler befinden sich auf der Warteliste. „Die Nachfrage ist groß“, berichtet Bröll. Digitales Lernen sei längst nicht für alle möglich. Manchen fehle es an funktionsfähigen Laptops. Außerdem musste die Caritas auch für einige Familien die Internetkosten übernehmen. „Die Bandbreite kann zum Problem werden“, berichtet Bröll. Schmolly hält fest: „Es soll damit Schluss sein, dass Kinder bei der Familienpolitik mitgemeint sind. Es braucht Politik, die für Kinder gemacht wird.“ Die Caritas möchte Kinder und Jugendliche in den kommenden Monat in den Mittelpunkt ihres Wirkens stellen.