Streit um “Lebensraum Lustenau” zwischen S 18-Gegnern und Befürwortern

Wer hat das Recht auf diese Bezeichnung für seine Initiative? Beide Gruppen beanspruchen den Begriff für sich.
Lustenau In Lustenau ist ein skurriler Streit über einen Begriff und dessen Nutzung ausgebrochen. Es geht um die Bezeichnung „Lebensraum Lustenau“. Sowohl die Befürworter der jetzt vorliegenden Entlastungsstraßenvariante CP als auch deren Gegner, die sich kürzlich als Initiative unter exakt diesem Namen vorstellten, streiten sich darum.
Vor 17 Jahren
Die Befürworter einer leistungsstarken Entlastungsstraße formierten sich unter Führung der L 203-Anrainerin Karina Lechtaler (53) vor 17 Jahren als Bürgerinitiative. Vehement setzten sie sich für die rasche Umsetzung dieses Projekts um, mobilisierten damals zahlreiche Bürger. Sie gaben sich den Namen „Lebensraum Lustenau“. Auch wenn der Elan der Gründerzeit in den darauffolgenden Jahren verpuffte, aufgelöst hat sich die Gruppe bis heute nicht. Karina Lechtaler ist bei den Regionalforen, wo sich Vertreter verschiedenster Interessensgruppen regelmäßig zu Informationsaustausch und Diskussionen treffen, stets präsent. Ihre Forderung nach Realisierung einer leistungskräftigen Entlastungsstraße hat die Aktivistin nie aufgegeben. Sie könnte mit der CP-Variante daher auch gut leben.

Einsatz für Siedlungsraum
Nicht schlecht staunten Beobachter, als sich kürzlich – die VN berichteten – eine Initiative gegen den Bau einer CP-Variante vorstellte. Und zwar unter demselben Namen wir ihre natürlichen Gegner: Lebensraum Lustenau. Eugen Schneider (67), Sprecher der neuen Gruppe, verteidigt die Namensnennung. „Diesen Namen gibt es für eine Umweltinitiative, für die ich tätig war, ja bereits seit 1987. Wir setzten uns für mehr Natur in Siedlung und Landschaft ein. Wir führten mehrere Aktionen durch und erhielten 2013 sogar den Umweltschutzpreis der Gemeinde Lustenau“, rechtfertigt sich Schneider. Er habe dieselbe Namensnennung der Initiatoren für eine Entlastungsstraße nicht wahrgenommen. „Ich wollte ganz sicher nicht provozieren“, beteuert der Pensionist.

Gegenseitiger Respekt
Karina Lechtaler will sich mit dieser Begründung nicht zufriedengeben. „Lebensraum Lustenau ist ein großer Begriff, der ganz Lustenau beinhalten soll. Auch die verkehrsgeplagte Bevölkerung!“, mailte sie Eugen Schneider. Sie schlägt diesem vor, die Initiative auf „Lebensraum Lustenau-Ost“ umzutaufen. Für sie bleibt klar: „Wir brauche eine Umfahrungsstraße, die uns vor dieser unzumutbaren Belastung befreit. Wir Anrainer der L 203 haben nicht das Glück, im Grünen zu wohnen und von dort über eine Umfahrungsstraße zu urteilen.“ Den gegenseitigen Respekt haben Lechtaler und Schneider trotz unterschiedlicher Positionen nicht über Bord geworfen. Schneider: „Uns geht es um Inhalte. Ich verstehe natürlich auch Karina. Ich kann mir eine Namensänderung unserer Initiative durchaus vorstellen. Ich muss das halt mit meinen Mitstreitern besprechen.“