Prozess: Mann soll mehrere Buben sexuell missbraucht haben

56-jähriger, mehrfacher Familienvater bestreitet alle Übergriffe, ob Verfahren heute mit Urteil endet, ist offen.
Feldkirch 26 Jahre lang sollen die sexuellen Übergriffe des heute 56-jährigen Mannes gedauert haben. Betroffen sind laut Staatsanwaltschaft fünf Buben, zum Teil Neffen des Mannes, zum Teil entferntere Verwandte. Heute sind drei der mutmaßlichen Opfer seit Jahren erwachsene Männer, zwei Betroffene sind noch im jugendlichen Alter. Der angeklagte Tatzeitraum reicht von 1988 bis 2014 und streift zeitlich verschiedene Gesetzesregelungen. So existieren einige Bestimmungen heute nicht mehr, manche wurden verschärft, einige geändert.
Auf ein länger zurückliegendes Verbrechen ist prinzipiell jene Gesetzeslage anzuwenden, die damals in Geltung war. Außer – so will es das Gesetz – die derzeit geltende Bestimmung ist für den Verbrecher günstiger. Dann gilt nach dem „Günstigkeitsprinzip“ zugunsten des Verurteilten die günstigere, also mildere Regelung.
Massive Anschuldigungen
Die mutmaßlichen Opfer sind allesamt männlich. Laut Staatsanwältin Julia Berchtold soll der Familienvater, der selbst sechs eigene Kinder hat, die Buben zunächst geschickt angelockt haben. Zum einen soll er versprochen haben, ihnen das „Sazspielen“ beizubringen. „Saz“ ist ein türkisches Seiteninstrument, ähnlich einer Gitarre. Außerdem wollte er den Jungen angeblich Karate beibringen. Doch statt Musik und Sport gab es offenbar sexuelle Übergriffe. Dies jahrzehntelang, in verschiedener Intensität bis hin zum mehrfach ausgeübten Analverkehr. Teilweise blieben die Taten beim Versuch. Die Übergriffe, so die Anklagebehörde, hätten zum Teil im Wohnhaus des Arbeitslosen im Oberland stattgefunden, zum Teil im Schuppen oder im Keller. Auch in Deutschland, beispielsweise in Baden-Württemberg, wo einer der Buben wohnte, sei es zu Übergriffen gekommen.
„Alles gelogen“
Verteidiger German Bertsch verweist die Vorwürfe ins Reich der Lügen. „Das sind alles uralte Geschichten, alte Märchen, die hier aufgetischt werden“, appelliert er an den Schöffensenat, all dem keinen Glauben zu schenken. Zum einen hält er die Anklage für lebensfremd und grotesk, wenn ein sechsfacher Vater seine Kinder heranwachsen sieht und gleichzeitig andere Buben „am laufenden Band“, missbraucht. Zum anderen sei es räumlich gar nicht möglich, denn das Leben in dem Haus sei beengt gewesen. „Wie hätte er sich da mit den Jungen zurückziehen sollen, um sie zum Sex zu nötigen!“, sagt Bertsch. „Wer´s glaubt wird selig“, so der Verteidiger. Doch ein paar Details hätten die Opfer angeblich bei ihren „Lügereien“ übersehen, so der Anwalt. Genaueres will er im Prozess vorbringen.
Langes Verfahren
Der Prozess ist von 10 bis 18 Uhr angesetzt. Doch die Verteidigung kündigt bereits an, dass sie die Frau und einige Kinder des Mannes hören will. Es geht um die Frage, ob sie nicht etwas mitbekommen hätten müssen, wenn im selben Haus immer wieder Buben missbraucht worden wären. Die Anklage spricht von Übergriffen, die oft einmal pro Woche stattgefunden haben sollen. Heute stehen die Videos der Opfer am Plan, sie werden der Reihe nach unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorgespielt. Am Ende des Tages wird der Schöffensenat entscheiden, ob das Verfahren vertagt wird.