Fluch und Segen des Erbens

Vorarlberg-Premiere des Stücks „Kind.Erbe.Reich“ im Alten Hallenbad in Feldkirch.
Feldkirch Das Thema Erben ist sehr vielschichtig. Vielschichtig ist auch die Herangehensweise an diese Thematik von Barbara Herold, die für die Regie und den Text des Stücks „Kind.Erbe.Reich“ verantwortlich zeichnet. Am vergangenen Donnerstag fand die Vorarlberg-Premiere im Alten Hallenbad in Feldkirch statt. Schon die Bühnenbildgestaltung war einprägsam, denn alles glitzerte, wirkte schrill und knallig. In losen Szenen präsentierten die drei Schauspieler Maria Fliri, Marion Freundorfer und Peter Bocek eine abwechslungsreiche Collage zur Thematik Erben und Erblassen. Auf dem Boden lag Papiergeld, das mittels eines Handstaubsaugers immer wieder aufgewühlt und somit pointiert szenisch eingesetzt wurde.

Ungleiche Vermögensverteilung
Im Fokus der Szenenabfolgen stand jeweils, was Geld mit dem Individuum, aber auch mit der gesamten Gesellschaft macht. „Es kumuliert so viel Vermögen auf so wenige Menschen. Das ist eine große Ungerechtigkeit. Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer“, betonte Herold. „Meins, meins, meins!“, war ein Ausruf im Stück, der sinnbildlich für den Egoismus im sozialen Kontext steht. In Österreich werden derzeit pro Jahr rund 20 Milliarden Euro vererbt, es ist die größte Erbschaftswelle, die es je gegeben hat. Passend dazu auch ein weiterer Ausruf: „Wer hat, der hat – und wer hat, dem wird gegeben.“ Die Ungleichheit in der Verteilung erreiche historische Dimensionen, so Herold. Auf unterhaltsame, aber eindrückliche Weise wurde die Verteilungsungerechtigkeit anhand eines Kindergeburtstags demonstriert, der Kuchen wurde adäquat an Besucher verteilt: Zwei Drittel des Vermögens – sprich des Kuchens – für zehn Prozent der Bevölkerung.

Sozialer Sprengstoff
Erbstreitigkeiten in Familien sind vorprogrammiert, wenn eine ungerechte Verteilung der Fall ist. Über das Erbe werden Konflikte geschürt, Menschen benachteiligt und ausgegrenzt, was zu einem emotionalen Desaster führt: „Die einen erben, die anderen nicht.“ Besitz und Vermögen ermöglichen eine freie Wahl in der Lebensgestaltung. Wer nichts hat, wird benachteiligt. Eine Chancengerechtigkeit ist nicht mehr gegeben. Aber – so ein weiterer Kernsatz: „Wenn man ständig in die Fußstapfen anderer tritt, hinterlässt man selber keine.“ Für Herold ist klar, dass die Ungleichheit in der Vermögensverteilung zu einer immer größeren Spaltung in der Gesellschaft führen wird: „Nicht nur Vermögen wird unbegrenzt angehäuft, sondern auch sozialer Sprengstoff.“ Auch deshalb verstehe sie nicht, dass es keine Vermögens- und Erbschaftssteuer gibt. BI
