Erste Klassen rüsten für Gascht-Abschluss

Vorarlberg / 11.05.2021 • 16:31 Uhr
Schon während der Handelsschulzeit gab es Projektarbeiten, wie diesen Wandverbau, der mit wenigen Handgriffen vom Bett zum Tisch wird. <span class="copyright">stp/2</span>
Schon während der Handelsschulzeit gab es Projektarbeiten, wie diesen Wandverbau, der mit wenigen Handgriffen vom Bett zum Tisch wird. stp/2

Am 31. Mai starten in Bezau die Prüfungen in diesem neuen Bildungsmodell.

Bezau Das Schuljahr 2020/21 wird für die Bezauer Wirtschaftsschulen ein Markstein der 1972 gestarteten Schulgeschichte. Und das trotz corona-bedingter Absagen von zwei Highlights, bedauert der interimistische Leiter der Bregenzerwälder Schule, Mario Hammerer, im Gespräch mit der VN-Heimat.

Olympia und Expo Dubai

„Nach unseren erfolgreichen Auftritten im Austria-Haus bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 und Pyeongchang 2018 hat der Götzner Caterer Ernst Seidl auch für Tokyo 2020 unsere Schule eingeladen, ein Team zur Unterstützung bei den Spielen in Japan zu stellen. Wir wären der Einladung gerne nachgekommen, obwohl der Einsatz in den Sommerferien stattgefunden hätte. Spontan haben sich dafür zahlreiche Maturantinnen und Maturanten, die Wochen zuvor zur Reifeprüfung angetreten sind, für eine außergewöhnliche Verlängerung ihrer Schulzeit bereiterklärt. Doch dann kam Corona und die Sommerspiele wurden auf heuer verschoben. Selbst wenn sie heuer stattfinden, wird es nach heutigem Stand wohl keine ausländischen Besucher und damit auch keine Gastronomie im Austria-Haus geben“, schreibt Hammerer diesen Olympia-Einsatz ab.

Vage Hoffnung für EXPO in Dubai

Für einen zweiten, nicht minder spektakulären Auftritt, besteht noch eine vage Hoffnung: „Mit unseren Auftritten in Rio und Pyeongchang haben wir auch die Verantwortlichen der Wirtschaftskammer auf uns aufmerksam gemacht und erhielten die Einladung, im Wechsel mit anderen Schulen einen Monat lang im Österreich-Pavillon der Expo 2020 in Dubai gastronomisch zu arbeiten.“

Nach heutigem Stand steht die Durchführung dieser Weltausstellung, die so wie Olympia um ein Jahr verschoben wurde, auch heuer in den Sternen, aber hier bleibt noch Zeit bis zur Eröffnung Ende Oktober. Sollte sich die Coronasituation bis dahin grundlegend verbessern, sind die Bezauer Wirtschaftsschulen auf alle Fälle bereit für die Expo, zumal das Team aus dem Bregenzerwald erst im Februar/März 2022 für vier Wochen an der Reihe wäre.

Krise gut gemeistert

Deshalb beschäftigen sich derzeit Dir. Hammerer und der Lehrkörper mit naheliegenden und erfreulichen Themen.

„Obwohl es besonders die Höhere Lehranstalt für Tourismus, mit den Praktika-Einsätzen in der lange geschlossenen Gastronomie und Hotellerie sehr schwierig war, konnten die Herausforderungen gemeistert werden“, ist Hammerer stolz auf Schülerinnen und Schüler sowie den Lehrkörper. „Wir haben viel improvisiert und planen, am Ende des laufenden Schuljahrs noch Praktika nachzuholen.“ Er ist auch zuversichtlich, dass die Reifeprüfungen ein ordentliches Ergebnis bringen werden.

Meilensteine für die Schule

Nicht nur die Reifeprüfungen in der Handelsakademie und der Höheren Lehranstalt stehen jetzt an, auch für die beiden Projekte Werkraumschule und Gascht gehen die ersten Absolventen in die Zielgerade. „2015 entwickelten wir gemeinsam mit dem Wälder Handwerk eine kombinierte Ausbildung Handelsschule/Lehre und sind mit diesem auf die Praxis zugeschnittenen Modell der Werkraumschule im Schuljahr 2016/17 gestartet. Mit dem Handelsschulzeugnis schloss 2019 der erste Abschnitt, dann wurden zwei Jahre Lehre angehängt. Jetzt steht dafür der Abschluss an und die ersten Absolventen werden ihre fünfjährige Ausbildung beenden. Vorteil des Modells: drei Jahre Handelsschule und drei Jahre Lehre werden auf fünf Jahre verkürzt.“

Ähnlich das Modell für die Gastronomie: „Hier haben wir ein Jahr später die Hotelfachschule und die Gastro-Lehre in ein vierjähriges Ausbildungsmodell zusammengefasst – erste Absolventen der 2017/18 gestarteten Gascht werden somit ebenfalls heuer abschließen, Prüfungsstart ist am 31 Mai. Das Modell hat die Erwartungen erfüllt, die Zielsetzung, die bei der Präsentation der Gascht definiert wurde, ist erfolgreich umgesetzt. „Die Gascht ist die ideale Vernetzung von Schule, Wirtschaft und Kammer und optimiert das Bildungsangebot im ständigen Dialog mit den Partnern noch praxisnäher“, hatte Andreas Kappaurer – damals Direktor in Bezau, heute Bildungsdirektor – das Konzept, an dessen Entwicklung er federführend mitgewirkt hat, damals umschrieben.

Prüfungen in Bezau

Während die Werkraumschule auf die Region Bregenzerwald beschränkt blieb, wurde die Gascht auch in Bludenz und Hohenems angeboten. In Hohenems sind auch Lehrkräfte der Bezauer Schule tätig. „Jetzt finden die ersten Abschlussprüfungen für alle drei Standorte – mit Ausnahme einiger Fachprüfungen – in Bezau statt“, erläutert Dir. Hammerer.

Jetzt auch Berufsreifeprüfungen

Stichwort Abschlussprüfungen: „Wir haben dieser Tage das Schreiben der Bildungsdirektion erhalten, wonach wir ab sofort ein Standort für die Ablegung der Berufsreifeprüfung (BRP) im Bregenzerwald sind. Das ist vor allem dem Engagement von Nicole Okhowat von der Gascht zu verdanken, ist aber auch Anerkennung unserer Arbeit an den Bezauer Wirtschaftsschulen.“ Während die Details für diese BRP noch ausgearbeitet werden müssen, „haben wir bereits reagiert und bieten z. B. entsprechende Kurse in Englisch und Mathe an. Wir freuen uns, dass in der Region eine weitere Möglichkeit angeboten werden kann, den Zugang zu Universität und Fachhochschule zu erwerben“, so Hammerer. STP

Das Modell Gascht, das Dir. Kappaurer mit Nicole Okhowat-Lehner (r.) und Teresa Lampert (l.) 2016 präsentierte, wurde eine Erfolgsgeschichte.
Das Modell Gascht, das Dir. Kappaurer mit Nicole Okhowat-Lehner (r.) und Teresa Lampert (l.) 2016 präsentierte, wurde eine Erfolgsgeschichte.