Wälder ka nüd jedar sin

Vorarlberg / 06.05.2021 • 15:00 Uhr
Wälder ka nüd jedar sin
Dass Schröcken im Bregenzerwald liegt, war schon 1905 unbestritten.

Die Grenzen des Bregenzerwaldes sind nicht immer einfach zu ziehen.

Schwarzach Nach alter Weisheit kann nicht jeder Wälder sein. Wer aber nun wirklich Bregenzerwälder ist, liegt trotzdem im Dunkeln. Seit der Bregenzerwald im 14. Jahrhundert eigene demokratische Strukturen erhalten hat, die 400 Jahre überdauerten, hat es immer wieder Debatten um die Grenzen der Region gegeben. Am heftigsten tobt der Streit um die Zugehörigkeit zum Wald wohl um Langen, das wie die Nachbargemeinde Buch zwar geografisch im Rheintal liegt, sich aber immer wieder gern in den Vorderwald schummelt.

Dass die Suchmaschine Google nur 14 Treffer zur Wortfolge „Langen im Bregenzerwald“ auswirft, spricht eigentlich eher gegen eine solche Verortung. Tatsächlich gibt es sogar mehr Suchergebnisse, wenn man Dornbirn im Wald vermutet. Sowohl Langen als auch Buch gehören aber zur Regionalplanungsgemeinschaft Bregenzerwald. Und damit nicht genug: Kürzlich wurde Langen sogar per Legaldefinition zur Wälder-Gemeinde erklärt, als Landeshauptmann Markus Wallner im Rahmen der Corona-Bekämpfung Ausreisebeschränkungen „betreffend die Gemeinden im Bregenzerwald“ verordnete und es dabei in die Liste der betroffenen Orte aufnahm. Dieses eine Mal hätte Langen vielleicht auf den Wälderstatus verzichten können. Touristisch wird die Gemeinde längst, im Gegensatz zu Buch, als eines von „23 Dörfern“ im Wald vermarktet. Dass sich das geografisch nicht ganz ausgeht, umschifft man auf der Webseite des Bregenzerwald Tourismus mit dem diplomatischen Hinweis, dass Langen „am Eingang zum Bregenzerwald“ liege – auf welcher Seite davon, bleibt dahingestellt. Zumindest für die Müllabfuhr gehört Langen weiterhin zur Abfallregion Unterland.

Auch bei anderen Gemeinden ist ihre Zugehörigkeit zum Bregenzerwald nicht unumstritten: Doren liegt zu zwei Dritteln südlich des Stocks des Sulzbergs und damit zumindest Großteils im Wald. Warth gehört geschichtlich und kulturell zur Region, liegt geografisch aber schon am Übergang ins Lechtal. Damüls wiederum ist eine Walsersiedlung und gehört damit kulturell und historisch zum Großen Walsertal, geografisch dafür eher zum Wald. Balderschwang im Allgäu hingegen läge eigentlich im Bregenzerwald, wenn es nicht seit den napoleonischen Kriegen bayrisch wäre. So bleibt die Gegend in ihrem Umfang schwer zu fassen, wobei es sicherlich für den Bregenzerwald spricht, dass es einen Andrang auf Mitgliedschaft gibt, der seine eigentlichen Grenzen sprengt.

So komplex wie die Außengrenzen stellt sich auch die innere Organisation des Waldes dar. Die Trennung in Vorder- und Hinterwald stammt aus dem Jahr 1338, der Mittelwald ist ein Vermittlungsversuch jüngeren Datums. Die Region erhielt im Mittelalter zwar weitgehende Autonomie, der Vorderwald gehörte aber rechtlich zur Herrschaft Bregenz, während der Hinterwald zu Feldkirch kam.
Die historische Grenze verläuft etwa mitten durch Langenegg, das erst 1924 aus zwei Gemeinden entstand. Während Oberlangenegg ursprünglich zum Vorderwald gehörte, zählte man Unterlangenegg zum Hinterwald. Grund für die Fusion zur gemeinsamen Gemeinde Langenegg war eine Erbschaft. Der Bauer Johann Georg Fuchs hatte Ober- und Unterlangenegg sein Vermögen mit der Auflage des Zusammenschlusses vermacht, ansonsten hätte Lingenau geerbt. Viel mehr brauchte es nicht, um die innerwälder Grenze zu überwinden.