Warum das Rheindelta zum Corona-Sorgenkind wurde

Ausreisetestpflicht aus drei Gemeinden ab Mittwoch.
Bregenz Das Land hält die Coronazügel weiter straff. Nach dem Bregenzerwald ereilt jetzt auch die Gemeinden im Rheindelta eine Ausreisetestpflicht. Betroffen sind Gaißau, Fußach und Höchst mit zusammen fast 14.000 Einwohnern. Nachdem dort die 7-Tage-Inzidenz die Grenze von 400, bei der laut Bundesverordnung Maßnahmen zu diskutieren und festzulegen sind, schon überschritten hat, zogen Land und Gemeinden die Notbremse. Ab Mittwoch gilt eine vorerst einwöchige Ausreisetestpflicht. Kontrollpunkte werden bei den Rheinbrücken Fußach-Höchst und Höchst-Lustenau eingerichtet. Zudem kündigte Landesrat Christian Gantner verstärkte Grenzkontrollen zur Schweiz an. Gleichzeitig erfolgt eine Aufstockung der Testkapazitäten. Auch die dort ansässigen Großbetriebe sollen vermehrt testen. Das Rheindelta verzeichnet täglich rund 4500 Einpendler.
Aufatmen und warten
Lustenau darf hingegen aufatmen. Die Sperrzonen fallen. Auf bessere Zeiten warten heißt es jedoch für den Bregenzerwald. Sowohl Ausreisetestpflicht wie Zonenregelung gehen in die Verlängerung. Dafür wird das Distance-Learning an den höheren Schulen aufgehoben. Das gilt auch für die Marktgemeinde Lustenau.
Trotz etwas rückläufiger Zahlen und einer stabilen Situation auf den Intensivstationen will das Land vor allem in Hinblick auf weitere Öffnungsschritte am 19. Mai nichts riskieren und „auf Kurs bleiben“, wie Landeshauptmann Markus Wallner betonte. Deshalb gelte es, weiterhin genau auf Regionen und einzelne Gemeinde zu schauen. Im Bregenzerwald sei eine positive Entwicklung erkennbar, aber noch könne keine Entwarnung gegeben werden. Die Entscheidung, die Maßnahmen noch einmal um eine Woche zu verlängern, fiel im Rahmen einer Videokonferenz mit allen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern der Talschaft. Hier sprachen auch die Inzidenzen dafür. Im Mittelwald sank der Wert von 806 auf 610, im Hinterwald von 467 auf 411, im Vorderwald von 445 auf 200, aber: „Diese Ausgangswerte sind immer noch zu hoch“, erklärte Landesanitätsdirektor Wolfgang Grabher. Für Lustenau lautete indes die Empfehlung, die Zonenverpflichtung aufgrund der sinkenden Inzidenz – sie liegt mit 204,2 deutlich unter dem Landesschnitt (235,4) – auslaufen zu lassen. „Wir müssen aber auch dort einen besseren Boden erreichen“, stellte Markus Wallner klar.
Schon kleine Brandherde löschen
Inzwischen mutierte das Rheindelta zum Sorgenkind. „Am 21. April lag die Inzidenz für alle drei Gemeinden noch bei 165,1, am 1. Mai schon bei 473,8“, veranschaulichte Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher den rasanten Anstieg. Der manifestierte sich auch in den Fallzahlen. Am 18. April gab es noch zwei bis vier Infektionen pro Tag, ab dem 30. April stiegen sie auf rund 20 pro Tag. Geschuldet ist dies laut Grabher der britischen Mutation, die inzwischen für 97,5 Prozent der Neuinfektionen verantwortlich ist. Als Infektionsherde wurden Kinderbetreuungseinrichtungen, Großfamilien und Betriebe ausgemacht. Auch viele Kontaktpersonen sind demnach erkrankt. „Es ist wichtig, schon kleine Brandherde zu finden und Infektionsketten zu durchbrechen“, betonte Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher. Sie räumte ein, dass jede Maßnahme umgangen werden könne, appellierte jedoch an die Bevölkerung, dies nicht zu tun, sondern die geltenden Regeln einzuhalten, und sich testen und impfen zu lassen. Der Höchster Bürgermeister Herbert Sparr erklärte stellvertretend für seine Amtskollegen aus Gaißau und Fußach: „Wir stehen alle hinter dieser Maßnahme.“ Neben dem Land, das heute, Dienstag, den Testbus als Verstärkung nach Höchst schickt, wollen auch die Gemeinden ihre Testkapazitäten, die derzeit bei 20.000 pro Woche liegen, ausbauen.

