Tests und Masken gegen den Lockdown

Maßnahmen sollen ein Signal an die Bevölkerung sein.
Bregenz Coronainfektionen, die beinahe ungebremst in die Höhe schnellen, und kein Mittel dagegen: Das Land versucht dennoch, einen harten Lockdown zu vermeiden, diesmal mit Test- und Maskenpflicht an öffentlichen Plätzen in 12 Gemeinden des Bregenzerwaldes sowie in Lustenau. Ob die Maßnahmen helfen, die Ausbrüche einzudämmen, wird sich weisen. „So lange es Menschen gibt, die derart verantwortungslos handeln, ist es schwierig“, räumt auch Gesundheitsexperte Armin Fidler ein und verweist auf die großen Cluster, die sich im Leiblachtal und dem Bregenzerwald aufgetan haben. „Diese Cluster haben uns hineingeritten, das hat nichts mit Gastrokultur oder Sport zu tun“, ergänzt Fidler. Die Öffnungsschritte mit der Verdreifachung der Fallzahlen in Verbindung zu bringen, wie das in den vergangenen Tagen öfter gemacht wurde, bezeichnet er als Falschinterpretation: „Wir wissen jeden Tag sehr genau, wo sich das Infektionsgeschehen abspielt.“
Zwei gute Gründe
Die für einige Kommunen nun erlassene kleinräumige Test- und Maskenpflicht hat laut Armin Fidler zwei gute Gründe. Zum einen soll sie jene Bevölkerungsgruppen zum Testen animieren, die sich diesem Vorgang bislang hartnäckig verwehrt haben, zum anderen hält er die Maskenpflicht für ein wichtiges Signal an die Bevölkerung, dass der Spuk noch nicht vorbei ist. „Gerade der Bregenzerwald ist eine Region, die, von Pendlern abgesehen, rein theoretisch relativ autark sein kann“, erklärt Fidler. Die Testpflicht im öffentlichen Raum soll also insgesamt mehr Tests bringen. Mit der Maskenpflicht verhält es sich ähnlich. „Im ländlichen Raum, wo jeder jeden kennt, fallen Abstandsregeln und Masken im Gespräch schnell einmal.“
Ein „aufgelegter Schwachsinn“
Dem nach wie vor herumgeisternden Gerücht, wonach FFP2-Masken nichts nützen, wohl aber der Gesundheit schaden, erteilt der Experte eine deutliche Absage: „Das ist aufgelegter Schwachsinn.“ Jeder könne im Internet nachsehen, wie sich die Aerosolnebel bei den verschiedenen Maskentypen verteilen. „Darüber sollten wir nicht mehr diskutieren müssen.“ Als Unsinn bezeichnete Armin Fidler die immer wieder einmal ins Spiel gebrachte Schädlichkeit von FFP2-Masken. „Es gibt sehr viele Berufe, wo aus Gründen des Arbeitsschutzes den ganzen Tag FFP2-Masken getragen werden müssen, und das schon seit Jahrzehnten“, lässt er dieses Vorurteil ebenfalls nicht gelten.
Die Anzahl der bestätigten Corona-Fälle im Bregenzerwald ist unterdessen weiter angewachsen. Laut Infektionsteam gibt es derzeit 334 Infektionen. Am stärksten betroffen sind die Gemeinden Schwarzenberg mit 50, Andelsbuch mit 49, Egg mit 45, Bezau mit 32 und Lingenau mit 29. In der Marktgemeinde Lustenau gibt es aktuell 147 Corona-Infektionen. Seit dem 20. April sind im Bregenzerwald mehr als 22.300 Tests abgenommen worden.