Erntehelfer – kein Job für Vorarlberger

Vorarlberg / 23.04.2021 • 05:30 Uhr
Erntehelferinnen und Erntehelfer müssen bei jedem Wetter ran. Was sie ernten, soll möglichst bald in den Regalen der Geschäfte landen. <span class="copyright">VN/Lerch</span>
Erntehelferinnen und Erntehelfer müssen bei jedem Wetter ran. Was sie ernten, soll möglichst bald in den Regalen der Geschäfte landen. VN/Lerch

Und deswegen werden auf vielen Feldern im Land wieder ausländische Arbeiter zugange sein.

Höchst Rückblende auf vergangenes Jahr. Corona versetzt Europa bereits in Angst und Schrecken. Viele Grenzbalken in Europa fallen, die Reisefreiheit ist praktisch ausgesetzt. Für die heimische Landwirtschaft ist das ein schwerer Schock. Die heimischen Bauern bangen um ihre bewährten ausländischen Erntehelfer. Nur mit viel Mühe gelingt es letztlich, Ausnahmegenehmigungen zu erhalten und die ausländischen Arbeiter sowohl von innerhalb als auch von außerhalb der EU ins Land zu bringen.

Eingeflogen

In Vorarlberg zählen Erdbeerproduzent Wolfgang Karg und der Gemüsebauer Walter Gehrer zu jenen, die ganz auf ihre ausländischen Arbeitskräfte setzen. Karg ließ seine 20 bulgarischen Erntehelfer unter Einhaltung aller Sicherheitsvorschriften einfliegen und auch Walter Gehrer konnte letztlich auf seine polnischen Fachkräfte zugreifen.
Heuer gibt es mit der Einreise der Erntehelfer offensichtlich keine Probleme. In Vorarlberg kommen zu den landwirtschaftlichen Hilfskräften aus EU-Ländern noch 65 Arbeiter aus Drittstaaten hinzu. “Es handelt sich dabei hauptsächlich um Ukrainer und Brasilianer”, weiß Florian Vinzenz vom Betriebshelferdienst der Vorarlberger Landwirtschaftskammer.

Harte Arbeit

Nicht mehr existent ist die Anmeldeplattform für potenzielle Erntehelfer aus Vorarlberg. Diese wurde im vergangenen Jahr eingerichtet, als die Bauern befürchten mussten, keine Arbeitskräfte für die Ernte zu finden. Die Bilanz dieser Plattform ist ernüchternd. “Es haben sich darauf circa 200 Personen gemeldet. Schon nach den ersten zwei Wochen auf den Feldern waren die meisten wieder weg. Insgesamt sind nur drei Vorarlberger Helfer übrig geblieben”, berichtet Vinzenz.

Frische Erdbeeren gefällig? Bald ist es wieder Zeit für die köstlichen Früchte. Sie werden zumeist von ausländischen Erntehelferinnen und Erntehelfern gepflückt. <span class="copyright">VN/Lerch</span>
Frische Erdbeeren gefällig? Bald ist es wieder Zeit für die köstlichen Früchte. Sie werden zumeist von ausländischen Erntehelferinnen und Erntehelfern gepflückt. VN/Lerch

Die Gründe für diese ernüchternde Bilanz sind vielfältig. “Die Arbeit ist hart, sie muss bei jedem Wetter verrichtet werden, und auch der Lohn ist nicht wirklich üppig”, erzählt der Experte. Viele haben sich da lieber in Kurzarbeit schicken lassen.

“Die Arbeit eines Erntehelfers ist hart und muss bei jedem Wetter verrichtet werden.

Florian Vinzenz, Betriebshelferdienst

Systemrelevant

Die Erntehelfer gelten laut Vinzenz als systemrelevante Arbeitskräfte. “Wenn sie ihren Job nicht beherrschen, bleiben die Regale leer. ” Gefragt sind sie zudem. Beim Gemüsebauer Gehrer blieben die Polen, die mehrere Jahre bei ihm tätig waren, heuer in ihrer Heimat. Sie fanden dort Arbeit. Jetzt setzt Gehrer auf drei Rumänen und zwei Kosovaren. Letztere dürfen als Drittstaaten-Angehörige nur ins Land, wenn durch das sogenannte Ersatzkräfteverfahren keine einheimischen Arbeitskräfte gewonnen werden konnten. Das war heuer der Fall. So wie meistens.