„Mein Werk ist eine Erfindung“

Der Zeichner Rafet Jonuzi aus Bregenz über die Angst der Menschen vor Kunst und die Farben der Sterne.
Bregenz Die VN-Heimat präsentiert Maler und Bildhauer aus dem Bezirk Bregenz und ihre Arbeit.
„Ich glaube, viele Leute haben Angst vor Kunst. Dabei ist Kunst die geistige Liebe, etwas Schönes zu sehen. Ich mache Kunst für alle, für Gott und die Welt und auch für ganz arme Leute. Würde es Kunst nur für die Reichen geben, hätte sie keinen Sinn“, erklärt Künstler Bardh-I Rafet Jonuzi-T., für den es wichtig ist, mit Kunst ein Geschenk zu machen und geistige Zufriedenheit zu vermitteln.
Der aus dem Kosovo stammende und seit dem Jahr 2000 in Vorarlberg lebende und arbeitende Künstler Bardh-I Rafet Jonuzi-T. hatte nie vor Zeichner zu werden. Seinem Umfeld, der Familie, der Schule ist sein großes Zeichentalent aufgefallen und das führte ihn direkt in die Akademie der bildenden Künste nach Pristina im Kosovo.
Sternenhimmel
Der Künstler wirft mit seinen teils sehr großformatigen Zeichnungen einen Blick direkt ins All. Er thematisiert das Universum, den Urknall als noch ungeformten Zustand. Er lässt Tusche in diversen Farben auf ein spezielles Papier spritzen. Unzählige Punkte und Flecken markieren die Gestirne. Die verschiedensten Farben stehen für unterschiedliche Entfernungen. So entsteht das Bild eines bunten Sternennebels.
So lässt der Künstler seine ganz persönliche Sicht auf die Entstehung der Ordnung aus dem Chaos erkennen. „Ich experimentiere auf der Zeichnung mit Licht. Ich versuche Literatur, Philosophie, Wissenschaft und Kunst zusammenzuführen“, beschreibt der Künstler seine Arbeit. Zeichnungen mit Tusche und Feder halten für die Ewigkeit und sind wasserfest. Jonuzi arbeitet auf französischem Spezialpapier, das sich anfühlt, als hätte es eine dünne Lackschicht. Oft arbeitet er in Serien mit jeweils sechs Bildern. „Mein Werk ist eine Erfindung. Ich leite alle meine Gedanken dahin, um diese Serie zu produzieren und wundere mich, was passiert. Beim sechsten Bild habe ich zu Ende experimentiert und etwas Neues beginnt. So ist es nie fertig, es geht immer weiter“, schwärmt Rafet Jonuzi. Denn alles, was er gesehen, gelesen, gehört und gespürt hat, habe er mitgenommen und daraus etwas geschaffen, mit all seinem Wissen und seinen Erfahrungen.
Zukunftsvisionen
„Egal, was wir tun, jeder Roboter wird Mathematik, Physik, Biologie etc. besser machen, aber wir können zeichnen und so wie wir zeichnen, das kann in tausend Jahren kein Computer schaffen. Wir haben diese einzigartige kreative Kraft“, erklärt Jonuzi. Der international tätige Künstler hätte im Jahr 2020 eigentlich eine Ausstellung auf der Artexpo in New York gehabt, die wegen Corona verschoben werden musste.
„Ich muss Kunst sehen und fühlen. Wenn ich etwas sehe, muss ich es auch verstehen können. Ein Kunstwerk muss strahlen. Wenn ich davor stehe, soll es mich mit magnetischer Kraft anziehen. Ich will nicht erst eine halbe Stunde einen Text lesen müssen, um es zu verstehen. Jeder Künstler versucht etwas zu schaffen, was der Betrachter nicht erwartet – eine Überraschung!“ yas

