„Man hat uns Länge mal Breite belogen“

Vorarlberg / 16.04.2021 • 15:56 Uhr
Ein extern begleiteter Prozess befasst sich nun noch einmal im Detail mit dem Ludescher Neugut.<span class="copyright">VN/Lerch</span>
Ein extern begleiteter Prozess befasst sich nun noch einmal im Detail mit dem Ludescher Neugut.VN/Lerch

Ludescher Neugut wird noch einmal unter die Lupe genommen.

Ludesch Wie geht es mit dem Neugut weiter, und war die Ludescher Bevölkerung vor der Volksabstimmung ausreichend, gut und vor allem richtig informiert oder nicht? Das waren die großen Themen in der Gemeindevertretersitzung am Donnerstagabend in der Blumenegghalle.

Die Liste „Gemeinsam um Bürgermeister Martin Schanung“ ist der Meinung, dass sie das nicht war und will sich der Thematik Neugut daher in einem Prozess mit einem externen Berater noch einmal im Detail annehmen, auch weil das Land, das eigentlich am Ball wäre, zunächst eine klare Stellungnahme der Gemeinde verlangt.

Fehlinformationen

Das neue Ludescher Gemeindeoberhaupt argumentiert diesen Schritt mit veritablen Fehlinformationen im Vorfeld der Volksabstimmung und spart in der Sitzung nicht mit Kritik. „Die Gemeindevertreter wurden hinters Licht geführt. Man hat uns Länge mal Breite belogen“, ist Schanung über das Ergebnis seiner Recherchen fassungslos. Diese ergaben, dass die vieldiskutierte Fläche im Neugut nicht – wie hinlänglich behauptet – exklusiv den angrenzenden Betrieben zur Verfügung stehe. Der Streit in der Gemeinde sei somit auf Grundlage falscher Aussagen entfacht. „Die Volksabstimmung war das einzige Instrument, das Erweiterungsprojekt zu verhindern“, sieht Schanung eine grundlegende Änderung der Rahmenbedingungen gegeben.

Zur Erinnerung: Die Pläne für die Betriebserweiterung der Firmen Rauch und Ball in Ludesch hatten trotz eines bestehenden Gemeindevertreterbeschlusses im Herbst 2019 eine Volksabstimmung zur Folge. Dabei wurde darüber abgestimmt, ob die im Ludescher Neugut liegenden Grundstücke Freiflächen für Landwirtschaft bleiben sollen. Im Vorfeld der Abstimmung kam es zu heftig geführten Diskussionen und Anfeindungen, in deren Zentrum insbesondere die Firma Rauch stand. Das Votum fiel dann recht eindeutig aus: 982 Ludescher (56,1 Prozent) sprachen sich für den Erhalt der landwirtschaftlichen Flächen aus, 763 (43,6) dagegen. Damit war die Sache aber nicht vom Tisch. Denn knapp ein Jahr später hob der Verfassungsgerichtshof das Abstimmungsergebnis auf.

Liste Lutz dagegen

Seitens der oppositionellen Liste Lutz kann man dem Vorschlag des Bürgermeisters nichts abgewinnen. „Genau ein solcher offener Prozess wurde von uns vor sechs Jahren vorgeschlagen. Jetzt haben wir ein REK, das die Leute offenkundig nicht haben wollen“, führt Markus Bösch ins Treffen und gibt an, sich den 982 Personen, die für den Erhalt der Landesgrünzone gestimmt hatten, verpflichtet zu fühlen. „Man sollte das REK ändern und das Gebiet für die kommenden 50 Jahre sperren“, stellt Bösch klar, dass ein Zurück an den Start für die Liste Lutz nicht infrage kommt.

Nach eingehender Diskussion stimmten die Gemeindevertreter schließlich gegen die Stimmen der Liste Lutz mit 17 zu 7 für die Durchführung eines solchen Prozesses unter der Leitung von Manfred Walser. Dieser hatte in der Vergangenheit bereits einige Prozesse begleitet und gilt als absoluter Kenner der Region. Laut Bürgermeister Schanung soll der Prozess nun umgehend gestartet werden.

Was dies für die Firma Rauch bedeutet, ist derweil freilich noch völlig offen. Gegenüber dem Gemeindechef habe man noch einmal beteuert, für die Betriebserweiterung ausschließlich 6,5 Hektar zu benötigen. Neben Rauch seien aktuell noch zwei weitere heimische Betriebe auf der Suche nach Gewerbeflächen in Ludesch, gibt Schanung gegenüber den VN an. Diesbezüglich macht der Bürgermeister keinen Hehl daraus, dass das Neugut praktisch die einzige Option für weitere Betriebsflächen in der Kommune darstellt. „Wir werden uns die komplette Situation anschauen. Wichtig ist mir in diesem Zusammenhang aber zu betonen, dass dieser Prozess völlig ergebnisoffen ist“, so der Bürgermeister. Nachsatz: „Ich halte das für die fairste Lösung gegenüber allen.“

„Ich halte einen extern begleiteten Prozess für die fairste Lösung gegenüber allen.“

Martin Schanung, Bürgermeister
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Ein extern begleiteter Prozess befasst sich nun noch einmal im Detail mit dem Ludescher Neugut.VN/Lerch

„Jetzt wieder von vorne anzufangen, ist aus meiner Sicht völlig untragbar.“

Markus Bösch, Liste LUTZ
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Ein extern begleiteter Prozess befasst sich nun noch einmal im Detail mit dem Ludescher Neugut.VN/Lerch