Nicht aus der Ruhe zu bringen

Der Maruler Luis Schneider feiert sein 35-jähriges Jubiläum als Schneeräumer.
Marul Seit 35 Jahren räumt Luis Schneider den Schnee in Marul von den Straßen. Zwölf Kilometer Straßennetz sind zu bewältigen, für die er in der Regel drei bis vier Stunden braucht. Luis Schneider macht dies mit Hingabe, steht dafür um 3 Uhr in der Früh auf, ohne Wecker. Vor Kurzem wurde er für sein 35-jähriges Jubiläum als Schneeräumer vom Ortssprecher Maruls, Alexander Sparr, geehrt und gelobt: „Im Namen der Ortschaft Marul möchte ich dir, Luis, stellvertretend für alle Maruler ein großes Dankeschön für die sehr zeitaufwendige und wichtige Arbeit für die Allgemeinheit aussprechen. Wir hoffen, dass deine Begeisterung für die Schneeräumung noch lange anhält.“
Auf 1250 Höhenmetern, auf dem zuoberst gelegenen Hof in Marul, wohnt Luis Schneider zusammen mit seiner Lebenspartnerin. Hier oben ist es still. Die Berge liegen einem zu Füßen – und der Schnee. Und trotz des noch vielen Schnees für die Jahreszeit ist die schmale Straße, die zu seinem Hof hochführt, frei und trocken.
Kulante Arbeitgeber
Der Güterweggenossenschaft war es wichtig, dass ein Schneeräumfahrzeug oben am Berg steht, denn abwärts sei es leichter zu räumen als bergaufwärts. Zum Einsatz kommt Luis‘ eigener, moderner Traktor samt selbstgebautem Pflug. „Man muss ja auf dem neuesten Stand der Technik bleiben“, meint er. Die neue Maschine sei effizienter und für ihn gesundheitlich besser. Angefangen hat aber alles mit einer viel kleineren Maschine, einen 90 PS starken Hürlimann Traktor, ohne Heizung, Klimaanlage und Fenster. „Ich war wie ein Eskimo angezogen“, erzählt der 62-Jährige. Mit 26 Jahren pflügte Schneider zum ersten Mal in Marul. Die Güterweggenossenschaft mit dem damaligen Obmann Emil Burtscher fragte ihn, ob er die Schneeräumung im Ort nicht übernehmen wolle. Gesagt, getan: Luis Schneider machte sich als Schneeräumer selbstständig, schob die Schneemassen von da an jeden Winter von den Straßen und das, obwohl er noch einen Vollzeitberuf ausübte. „Ich hatte immer gute Arbeitgeber, die für meine nebenberufliche Tätigkeit Verständnis hatten“, lobt Schneider, der sich für das Schneeräumen freinehmen konnte. Für ihn war diese Tätigkeit ein willkommener Ausgleich zu seinem Beruf als Maschinenschlosser.
„Wir haben mittlerweile auffallend kurze Niederschlagsperioden, wie heuer im Jänner.“
Luis Schneider, Schneeräumer aus Marul
Zeitaufwendig sind vor allem Schneestürme, die besonders in Marul häufig und stark auftreten. „Bis du da durchgekommen bist, kannst du wieder von vorne anfangen.“ Luis Schneider hat in seinen 35 Dienstjahren schon viel Erfahrung gesammelt. Doch aus der Ruhe bringt ihn ein Schneesturm nicht mehr. Er hat seine Routine gefunden. Wenn er vor lauter Schnee die Straße nicht mehr erkennt, tastet er sich langsam vor. „Ich kenne die Straße, jeden Schacht und jede Zwickmühle im Schlaf“, sagt der Halbtiroler.
Schnee wird weniger
Der heftigste Winter, den Schneider miterlebt hat, war im Jahr 1999, als 1,5 Meter Schnee lagen. „Da haben wir 72 Stunden durchgehend geräumt.“ Mit „wir“ meint Luis Schneider sich und seinen Bruder Otmar, der ihm in Extremsituationen hilft. „Da fuhren wir in 3-Stunden-Schichten.“ Im Normalfall bewältigt Luis Schneider aber die Schneemassen alleine. Denn, was auffällt, ist, dass die Winter „weniger und wärmer“ werden. Nur jeder vierte Winter falle heftiger aus. Heuer war ein durchschnittlicher Winter. „Den Klimawandel merkt man stark“, weiß Schneider. Es gebe zwar kurze, starke Niederschläge, aber dann auch wieder eine Zeit lang gar keine. „Wir haben auffallend kurze Perioden, wie heuer im Jänner.“ Was seine Beobachtung noch zeigt: „Ab Mitte des Dorfes auf circa 1100 Metern steigt der Schnee extrem an. Unten dagegen ist es viel nasser.“
Das eine oder andere Auto musste Schneider schon mit seinem Traktor wieder auf die Straße ziehen. Passiert sei aber noch nie etwas. Der gelernte Schlosser weiß, wann es gefährlich werden kann. Viel Schnee mache nichts aus, aber „der erste und letzte Schnee ist gefährlich“. Denn dann fehle unterhalb der Straße die Schneemasse, die ein Auto normalerweise halten würde. „Mit guten Winterreifen ist es besser, auf schneebedeckter als auf einer gesalzenen Straße zu fahren“, weshalb Schneider im Winter für sein Auto so gut wie nie Schneeketten benötigt. VN-JUN