Der alltägliche Wahnsinn

Vorarlberg / 09.04.2021 • 15:28 Uhr
Mit „Pakete, Pakete“ traf das Café Fuerte den Puls der Zeit, denn in diesem Theaterstück ging es um vom Zeitdruck und Bestellwahnsinn geplagte Paketzusteller.<span class="copyright">STR</span>
Mit „Pakete, Pakete“ traf das Café Fuerte den Puls der Zeit, denn in diesem Theaterstück ging es um vom Zeitdruck und Bestellwahnsinn geplagte Paketzusteller.STR

Café Fuerte führte Theaterstück „Pakete, Pakete“ in Tschagguns auf.

Tschagguns Das Wetter war ausgezeichnet, und so verhielt es sich auch mit der Stimmung im Publikum, das am Donnerstagabend vergangener Woche das Stück „Pakete, Pakete“ von Café Fuerte am Tschaggunser Bahnhof genoss. Seit dem vergangenen Oktober war es die erste Kulturveranstaltung des Heimatmuseums Schruns, die mit einer Publikumspräsenz stattfinden konnte. Dabei nahmen die vier Protagonisten das Leben der Zusteller eines Paketdienstes aufs Korn. Der Autor Tobias Fend recherchierte fünf Jahre lang im Bereich der Zusteller und prangert mit seinen Schauspielkollegen Danielle Feld-Strahm, Jeanne Devos, Gregor Weisgerber und John Kendall die schlechten Arbeitsbedingungen der Paketboten an.

Besser, schneller, effektiver

Keineswegs mit erhobenem Zeigefinger und als Moralapostel, sondern übertrieben, skurril und witzig werden vier Paketboten gemimt. Was sie alles erleben – und dies ist eben oft Realität – ließ den Zuschauern zeitweise das Lachen im Hals gefrieren. Dem gnadenlosen Zeitdruck und Arbeitsrhythmus unterworfen, spiegeln sie ein Bild unserer Zeit wider. Denn die Devise lautet: schneller, besser und effektiver. Ein 14-Stunden-Tag gehört zum Alltag der Paketboten, dabei immer die Verantwortung geschultert, im Kampf gegen die Uhr und das für einen lausigen Lohn.

Von der überfahrenen Katze bis hin zur Zustellerin Sylvie, die des Diebstahls überführt wird, stellen die vier Schauspieler in rasend wechselnden Rollen viele Facetten des Paketdienstes dar. Dabei wird der Zusteller von der Online-Wut des Lockdown-geplagten Konsumenten getrieben. Brillant war nicht nur die Schauspielkunst der vier Protagonisten, sondern auch die Treffgenauigkeit in Worten und Gesten sowie das reduzierte Bühnenbild. So reichten ein kleiner Lieferwagen und zahlreiche Pakete aus, um die Dimensionen der Zustellflut und des täglichen Wahnsinns darzustellen. Die zahlreichen Besucher zollten dem Team mit einem kräftigen Applaus am Ende der 70-minütigen Darbietung ihre Anerkennung. STR