Bahnhof in Bregenz wird zum Wettlauf gegen die Zeit

Hinter verschlossenen Türen: ÖBB warnen vor jeder weiteren Verzögerung beim Bahnhofsbau in Bregenz.
Bregenz Es war eine Klausur hinter verschlossenen Türen. Das Ziel: die Möglichkeiten für eine Neuausrichtung des Bahnhofprojekts und der städtebaulichen Entwicklung in diesem Bereich zu prüfen. Nach drei Stunden im Festspielhaus stimmten die 18 Teilnehmer darüber ab, was Bürgermeister Michael Ritsch den wartenden Medienvertretern über den Inhalt der Gespräche erzählen durfte. „Konstruktiver Austausch, die Stadt beauftragt eine Arbeitsgemeinschaft für eine städtebauliche Studie“, wurde das neue Stadtoberhaupt später zitiert. Dabei hatte die geheime Sitzung am 19. Februar deutlich mehr Informationen zu bieten. Vor allem die Österreichische Bundesbahnen (ÖBB) legten sich mit deutlichen Warnungen was Finanzierung und Umsetzung betrifft gegen einen allzu langen Nachdenkprozess quer. Bis Juni sei zu entscheiden, ob eine alternative Planung weiterverfolgt oder das bisherige Projekt umgesetzt werde. Die ÖBB forderten Klarheit über die Finanzierung einer Unterflurstraße und stellten klar, keine weiteren Kosten zu übernehmen. Jede Verzögerung über den Sommer hinaus würde zu einer Verschiebung eines Baustarts um Jahre führen. Dann wäre der Bahnhof Bregenz frühestens 2028/29 an der Reihe. Das haben die VN jetzt aus Teilnehmerkreisen erfahren.
Unterflurstraße als Grundpfeiler
Die Uhr tickt. Es wird ein Wettlauf gegen die Zeit. Für die prominenten Verteter der Expertengruppe ist eine Unterflurstraße parallel zur derzeitigen Bahntrasse gesetzt. Eine solche wurde als Grundpfeiler der Projektidee präsentiert. Finanzierung und Machbarkeit sind unklar. Einen Auftrag seitens des Landes an die zuständige Straßenbauabteilung, eine entsprechende Untersuchung durchzuführen, gibt es indes nicht, wie deren Leiter Gerhard Schnitzer auf VN-Anfrage bestätigt. Zeitlich wäre das wohl bis Juni auch gar nicht möglich. „Innert einiger Wochen und Monate lassen sich vermutlich erste Vorfragen klären, aber aus anderen Projekten wissen wir, dass eine fundierte Betrachtung schnell ein Jahr oder deutlich mehr dauert“, so Schnitzer weiter.
Finanzierungsfragen offen
Die Stadt Bregenz selbst hat indes mit Voruntersuchungen zur Tieferlegung der Landesstraße begonnen. Entsprechende Möglichkeiten zwischen Citytunnel und Post würden geprüft, heißt es dazu von Bürgermeister Michael Ritsch. Was Finanzierungsfragen betrifft, orten Beobachter bei den privaten Investoren Zurückhaltung. Diese könnten, wie Ritsch schon im Wahlkampf bei der Präsentation seiner Vision für Bregenz erklärte, einen Teil der Kosten mit dem Flächengewinn einer unterirdischen Straßenführung finanzieren. Im Rahmen der geheimen Klausur sprachen die Investoren-Vertreter von einer gewissen Abgeltung für zusätzliche Flächen, aber eher nur im einstelligen Millionenbereich, wie aus Teilnehmerkreisen zu erfahren war.
Bei den ÖBB wartet man jetzt auf die Ergebnisse der Architektengruppe „Bregenz Mitte“. Detailplanungen würden erst dann erfolgen. Die Planungen für den Baustart der Hypo-Unterführung laufe unterdessen und liege im Zeitplan, heißt es auf Anfrage weiter.
Ritsch weiter optimistisch
Weiter optimistisch zeigt sich der Bregenzer Bürgermeister Michael Ritsch. Die ehrenamtlich tätige Expertengruppe arbeite derzeit intensiv am Masterplan. Die Entscheiding liegt am Ende aber bei der Politik. “Sollte dieses Projekt tatsächlich von der Mehrheit der Fraktionen in der Stadtvertretung abgelehnt werden, wäre diese große Chance endgültig vertan”. Gleichzeitig sei er der festen Überzeugung, dass die Vernunft in der Stadtvertretung über parteitaktisches Kalkül siegen werde und Bregenz bald einen Beschluss für die neue Vision „Bregenz Mitte“ bekommen werde, so Ritsch zu den VN.
Fakten zum Bahnhof Bregenz
Grundsatzvereinbarung für neuen Bahnhof im Juli 2019, Siegerprojekt wurde gekürt, Fianzierung festgelegt (ÖBB 47,6 Mill. Euro; Land und Stadt je 14,5 Mill Euro)
Planungsvereinbarung wurde im April 2020 unterzeichnet
Arbeitsgruppe „Bregenz Mitte“ wurde am 23. Februar 2021 beauftragt, um Grundlagen für weiteres Vorgehen zu erarbeiten. Ergebnisse werden im Juni erwartet.

