Zeit und Platz für Einsame im Leiblachtal

Sabine Moosbrugger baut eine Tagesbetreuung auf.
HÖRBRANZ Eine Tagesbetreuung für alte, alleinstehende, einsame Menschen auf die Beine zu stellen – das ist genau die richtige Aufgabe für Sabine Moosbrugger. Sozial eingestellt war sie schon immer. Und mittlerweile hat die 51-jährige Hörbranzerin eine Menge Erfahrung in der Arbeit mit Menschen aller Altersgruppen gesammelt.
Bevor Sabine Moosbrugger die Entscheidung traf, im Sozialbereich zu arbeiten, hat sie als gelernte Köchin Hotelgäste kulinarisch verwöhnt. 1993 – sie war 24 – begann sie eine pflegerische Ausbildung. Gleichzeitig arbeitete sie in Altenheimen.
1995 kam Tochter Fabienne zur Welt, und Moosbrugger nahm die Elternkarenz in Anspruch. Danach war sie wieder in einem Altenheim tätig, bis sie 2002 im Landeskrankenhaus Rankweil eine Anstellung als Pflegerin in der Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie bekam. Berufsbegleitend ließ sie sich zur Transaktionsanalytikerin und zur Lebens- und Sozialberaterin schulen. Im September 2011 wechselte Moosbrugger ins SOS Kinderdorf in Vorarlberg. Dort war sie als Pädagogische Leiterin des SOS Kinderdorf Jugend-Wohnen für die 14- bis 18-Jährigen verantwortlich. Im gleichen Zeitraum absolvierte sie eine Ausbildung zur Fachkraft für Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Beim Sozialsprengel Hörbranz ist sie seit Oktober vergangenen Jahres angestellt. Ihr Auftrag: Leitung und Aufbau einer Tagesbetreuung. „Das ist eine neue Betreuungseinrichtung für ältere Familienmitglieder und Alleinstehende, die im Leiblachtal wohnen“, erklärt sie. Das Programm enthält etwa soziale Kontakte knüpfen, Freundschaften pflegen, Bewegungsapparat und Gedächtnis trainieren.
Bei ihrem Dienstantritt fand Moosbrugger nur leere Räumlichkeiten vor: „Die habe ich zum Leben erweckt.“ Allerdings wusste sie wegen Corona lange nicht, ob sie überhaupt aufmachen darf. Denn kurz nach ihrem Arbeitsantritt wurde der 2. Lockdown über Österreich verhängt. Dennoch durfte sie Mitte November einen Notbetrieb mit der Betreuung von fünf Härtefällen pro Tag aufnehmen, „natürlich unter strengen Hygienemaßnahmen“. Als Härtefälle gelten alte Menschen, deren Angehörige entlastet werden müssen, sowie Alleinstehende, die ohne Betreuungsmöglichkeit vereinsamen.
Seitdem kümmert sich Sabine Moosbrugger, unterstützt von ihrer Mitarbeiterin Ursula Winkler, von Montag bis Freitag zwischen 9 Uhr und 16:30 Uhr um bis zu fünf Tagesgäste. „Wir haben kein starres Programm“, informiert Moosbrugger, „wir gehen auf die Bedürfnisse unserer Gäste ein.“ Der Tagesablauf wird immer gemeinsam gestaltet und findet in familiärem Rahmen statt. Gestartet wird mit der Morgenrunde: „Dabei sitzen wir zusammen, und jeder kann erzählen, wie es ihm geht, was er heute tun möchte.“ Es wird auch gemeinsam zu Mittag gegessen und die Nachmittagsjause verzehrt. Und wer mag, hält in einem der bequemen Liegesessel Mittagsschlaf.
Ausbau geplant
„Unsere Gäste kommen sehr gern hierher. Auch deshalb, weil wir Wert auf einen liebevollen Umgang legen“, betont Moosbrugger. Ihr zufolge soll die Tagesbetreuung ausgebaut werden: „Geplant ist, künftig täglich zehn Gäste zu betreuen. Zudem möchte ich eine Angehörigengruppe gründen.“ Das ist jedoch coronabedingt noch nicht möglich. Möglich ist es indessen, ihre freie Praxis in Hörbranz zu betreiben, in der Sabine Moosbrugger psychologische Beratung sowie Einzel- und Teamsupervision anbietet.
Dass sich ihr Leben nun wieder „in dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin“, abspielt, macht die Hörbranzerin glücklich. Ausgleich vom anspruchsvollen Berufsalltag findet sie bei ausgedehnten Spaziergängen am See. Am liebsten mit Tochter Fabienne.
Zur Person
Geboren 22. Mai 1969
Wohnort Hörbranz
Laufbahn Köchin, Pflegerin, Transaktionsanalytikerin, Pädagogische Leiterin, Tagesbetreuung-Leiterin, Lebens- und Sozialberaterin
Hobbys Lesen, Netflix-Serien, Campen
Familie Mutter einer Tochter (25)