Wird der Kiesabbau erweitert?
Firma Kessler will in Bludesch noch mehr Kies schöpfen.
Bludesch Bereits seit zwei Jahren wird von der Firma Kessler bewegt‘s ein Kiesabbauprojekt in Bludesch betrieben. Dieses befindet sich im Bereich Rasellis. In zwei Etappen wurde hier Kies aus dem Boden entnommen und an gleicher Stelle Aushubmaterial eingebracht. „Aktuell steht die zweite Etappe unmittelbar vor der Fertigstellung“, wie Bürgermeister Martin Konzet informiert.
70 Fahrten pro Tag
Wie nun bekannt wurde, beabsichtigt das Nenzinger Erdbauunternehmen das bestehende Abbaugebiet zu erweitern. In der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung wurden die Mandatare über die Eckdaten des Vorhabens informiert. Auf einer Fläche von 4,4 Hektar sollen demnach in einem Zeitraum von fünf Jahren 108.000 Kubikmeter Kies abgebaut und im Gegenzug rund 140.000 Kubikmeter Bodenaushubmaterial verfüllt werden. Um eine größtmögliche Staubbelastung zu vermeiden, habe das Unternehmen vorgeschlagen, die erforderliche Zufahrtsstraße zu asphaltieren. Das Verkehrsaufkommen soll mit maximal 70 Lkw-Fahrten pro Tag gedeckelt werden, hieß es bei der Sitzung. Ob das Vorhaben bereits bei der BH Bludenz eingereicht wurde, konnte im Rahmen der Sitzung nicht geklärt werden.
Während sich Bürgermeister Martin Konzet, der unmittelbar angrenzend ein Grundstück besitzt, als befangen erklärte, äußerten mehrere Mandatare ihre Bedenken zum Projekt. Neben dem erhöhten Verkehrsaufkommen befürchten sie eine deutliche Zunahme der Staub- und Lärmbelastung. Auch die durch die Aufschüttung entstehende Erhöhung und Verdichtung des Bodens missfiel einigen Bürgervertretern. Schließlich wurden auch Bedenken bezüglich negativer Auswirkungen auf das Grundwasser zur Sprache gebracht.
Einflussmöglichkeit
Bereits in der Sitzung vom 19. April 2017 hatte sich die Gemeindevertretung mehrheitlich gegen ein Kiesabbau-Projekt im Ort ausgesprochen. Seitens der BH wurde dem Projekt schließlich zugestimmt. Damals hatte die Gemeinde jedoch keine Parteistellung. Das hat sich inzwischen geändert. Im Zuge eines Umlaufbeschlusses gingen die bestehenden Weganlagen Anfang Februar ins Eigentum der Gemeinde über. Damit hat diese im vorliegenden Fall nun Einflussmöglichkeiten und könnte das Projekt beispielsweise mit einem Überfahrtsverbot zumindest verzögern, wie bei der Sitzung bekannt wurde.
Bald Schongebiet?
Diese Maßnahme könnte möglicherweise aber gar nicht erforderlich sein. Auf Nachfrage im Gemeindeamt informiert Konzet, dass das Land derzeit mit der Umlegung des Grundwasserschongebiets Tschalenga/Untere Lutz beschäftigt ist. „Dabei werden bestehende Industrieflächen herausgenommen und an anderer Stelle neue Flächen als Schongebiet ausgewiesen“, beschreibt der Gemeindechef das Prozedere. Als Ausgleichsfläche für das Vögel-Firmenareal ist laut Konzet offenbar das Gebiet Rasellis im Gespräch. „Damit wäre das nun beabsichtigte Kiesprojekt bescheidmäßig nicht zu genehmigen“, schlussfolgert der Gemeindechef.
Das Verfahren, das bereits 2019 gestartet wurde und sich coronabedingt verzögert hat, sei inzwischen relativ weit fortgeschritten. „In den nächsten Tagen werden die Anrainer informiert. Danach sind die (Bluemengg)Gemeinden zu einer Stellungnahme gebeten“, so Konzet. Dies sei aber ein reiner Formalakt, da das Land diese Verordnung eigenständig erlassen kann. VN-JS