Warum sich Lehrer im Stich gelassen fühlen

Kritik am “planlosen” Impfvorgehen des Landes.
bregenz Das aktuelle Impfwochenende beginnt diesmal schon am Donnerstagnachmittag. Bis Sonntagabend sollen in den Impfstraßen in Dornbirn, Nenzing und Bezau rund 9500 Covid-Schutzimpfungen verabreicht werden. Beim größten Teil handelt es sich um Zweitimpfungen. “Damit verfügen 7800 Bürgerinnen und Bürger über eine vollständige Immunisierung”, teilt Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher mit. Zum Einsatz kommen diesmal ausschließlich die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer bzw. Moderna.
Ärger bei den Pädagogen
Weniger Freude mit dem Verlauf der Impfungen haben die Lehrerinnen und Lehrer. Ihre Vertreter werfen der Landespolitik Säumigkeit und Untätigkeit vor. “In anderen Bundesländern, wie etwa der Steiermark, sind die Pädagogen bereits durchgeimpft. Wir hingegen werden ständig vertröstet”, ärgert sich Gerhard Pusnik (AHS) über wiederholte Terminverschiebungen. “Wir erhalten auch keine weiterführenden Informationen. Stattdessen verweist die Landesrätin immer nur auf einen Erlass vom 11. März und bittet um Verständnis”, setzt Pusnik noch einen drauf.
Dieser Erlass besagt, dass der Fokus weiterhin auf den über 65-Jährigen, priorisiert nach Alter und gesundheitlichen Risiken, liegt. “Wir stellen die Notwendigkeit der Impfung bei diesen Personen nicht infrage”, betont der Lehrervertreter, verweist aber darauf, dass anderswo die beiden Gruppen parallel geimpft wurden. “Da liegt Vorarlberg beim Impffortschritt österreichweit an der Spitze, hat es jedoch noch nicht geschafft, die Lehrer zu impfen”, fühlen sich diese buchstäblich im Stich gelassen. Dabei sei die Impfbereitschaft unter den rund 6000 Kolleginnen und Kollegen groß, aber: “Für uns bleiben nur schöne Worte und das Versprechen, dass wir drankommen, wenn es genügend Impfstoff gibt. Im Klartext heißt das dann wohl, dass wir erst Mitte des Sommers einen Impfschutz haben werden”, echauffiert sich Gerhard Pusnik.
E-Mails und Telefonanrufe
Katharina Bachmann (BMHS) versteht den Unmut: „Wir haben zahlreiche E-Mails und Telefonanrufe von Kolleginnen und Kollegen erhalten, die ihrer Empörung über die unverbindlichen Erklärungen der Landesrätin freien Lauf lassen”, berichtet sie. Die Vertreterin der Berufsschulen, Beate Sonnweber, weist auf die prekäre Situation in ihrem Schultyp hin: „Bei uns sind bis zu 19 Schüler in einer Klasse. Die anderen Bundesländer müssen sich auch an die Vorgaben des Bundes halten, haben aber gezeigt, dass es möglich ist, die Lehrer zu impfen und damit zu schützen.“ Der Obmann der Unabhängigen Bildungsgewerkschaft (UBG), Gerhard Rüdisser, fragt sich, warum das Impfen im Musterländle eigentlich so schleppend geht. “Plausibel erklären konnte uns das noch niemand.”
Gerhard Pusnik weiß zwar von Pädagogen in Vorarlberg, die bereits eine Impfung erhalten haben, aber nicht warum die einen geimpft sind und anderen warten müssen. Der Begriff, der ihm dazu einfällt: “Planlos.”