Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Was Freiheit bedeutet

Vorarlberg / 17.03.2021 • 10:00 Uhr

Täglich zur besten Fernsehzeit flimmern verstörende Bilder in unsere behaglichen Stuben. Sie zeigen Menschen, die sich aufrecht gegen ein Unrechtsregime stellen, obwohl sie damit rechnen müssen, ihr Leben zu verlieren.

Sie tun das, weil sie überzeugt sind, dass die Demokratie es wert ist. Dabei haben sie manche gar nie erfahren und sehnen sich doch danach. Andere haben von ihr kosten dürfen und verteidigen sie nun bis aufs Blut. Sie werden dafür gefoltert und ermordet, von Weißrussland bis Myanmar. Moderne Nachrichtentechnik erzählt davon, freilich in homöopathischen Dosen. Immer wieder blicken wir für Sekunden in ein Paar großer Augen oder werden Zeugen von Brutalität, die allerdings, lang, bevor sie die Qualität des Hauptabendprogramms erreicht, dezent ausgeblendet wird. In den Nachrichten stirbt man nicht in epischer Breite. Dafür sind dann die Spielfilme da.

Ein schales Gefühl lassen diese Bilder zurück, wenn man bedenkt, wie oft in unseren Breitengraden die Vorgärten der persönlichen Bequemlichkeit mit den Grundfesten einer demokratischen Verfassung verwechselt werden. Wie schnell wir bei der Hand sind mit Wörtern wie Diktatur und Freiheit. Täglich zur besten Fernsehzeit gehen Menschen für das Recht der Demokratie in den Tod. Oft sehen wir das unmittelbar nach dem Bericht über die jüngste Corona-Demo.