Bezauer Schule macht aus dem Erlkönig Coronaviren

Klassensprecherin Raphaela Robosch von der 4. HLT konnte von Elisa Beck (l.) und Sarah Gridling (r.) den ersten Preis entgegen nehmen.
Bezauer Schüler zeigen ihren kreativen Umgang mit der Pandemie.
Bezau „Wuhan-Rap“ oder Lockdown-Puzzle, Coronatagebuch oder die Reportage über Schule zu Hause – der Kreativitität waren an den Bezauer Wirtschaftsschulen zum Abschluss des ersten Semesters bei einem Kunst-, Kreativitäts- und Kulturwettewerb keine Grenzen gesetzt.
Sogar auf den Großmeister der deutschen Literatur griff man zurück – Johann Wolfgang von Goethe war Ideengeber: Der Erlkönig, eines seiner bekanntesten Werke, wurde gecovert und es wäre interessant zu hören, was er wohl zu der „Bezauer Fassung“ zu sagen hätte. Mit ihren Diplomarbeiten sorgen Maturanten der Bezauer Wirtschaftsschulen regelmäßig auch bei österreichweiten Wettbewerben für Schlagzeilen. Auch für die Präsentation und Bewertung durch eine externe Jury gab es jedes Jahr großes Interesse und viel Lob. Corona hat alles verändert. Es ist ungleich schwieriger geworden, Projektarbeiten zu entwickeln. Eine öffentliche Präsentation ist nicht möglich, auch Landes- und Bundeswettbewerbe fallen aus – sehr zum Leidwesen der Schüler.
Lichtblick in Corona-Tristesse
Doch nicht nur Maturantinnen und Maturanten leiden unter der Pandemie, auch in unteren Klassen türmen sich mehr und mehr Probleme auf. Deshalb entwickelten Elisa Beck und Sarah Gridling, Maturantinnen der Handelsakademie, die Idee, mit ihrer Diplomarbeit einen echten Lichtblick in der Corona-Tristesse zu geben:
Sie luden mit ihrem Projekt Mitschülerinnen und Mitschüler ein, bei einem Kunst-, Kreativitäts- und Kulturwettewerb besondere Talente unter Beweis zu stellen.
Gelungenes Experiment
Das Projekt wurde ein voller Erfolg und Dir. Mario Hammerer freut sich darüber, dass dieses gelungene Experiment der beiden Maturantinnen auch als guter Ersatz für die abgesagte Projektwoche zu werten ist. „Freilich war es zu Beginn der Abschlussarbeit alles andere als in dieser Form geplant“, räumte der Schulleiter ein, „aber letztlich diente die heuer ausgefallene Projektwoche zum Semesterende dazu, sich nochmals mit der Pandemie aktiv auseinanderzusetzen.“ Zwei Maturantinnen hätten die Idee aufgegriffen und bravourös umgesetzt.
Raum für Kreativität
Obwohl die Teilnahme am Wettbewerb freiwillig war, waren die Beteiligung und vor allem das Engagement sehr erfreulich. „Um das Feuer zum Mitmachen zu wecken, gab es ein Gewinnspiel (Preise stellte das Kuratorium der Schule zur Verfügung) für Einzelarbeiten und auch für ganze Klassenprojekte. Es gab Raum für Kreativität, aber auch die Gelegenheit, Frust, Probleme und Ängste abzubauen. Auf jeden Fall war es der geglückte Versuch, Abwechslung und Ablenkung in den etwas monotonen Schulalltag zu bringen.
Und dieser Raum wurde auch genützt, das Spektrum reichte von Bastel-, Schreib-, Zeichen-, Musik-, Videobeiträgen bis zu Gedichten, Collagen oder ganzen Bilderbüchern“, zog Dir. Hammerer positive Bilanz und pflichtete den Maturantinnen Elisa Beck und Sarah Gridling bei, wenn sie ihr Projekt kommentierten: „Die Einsendungen zum Wettbewerb haben gezeigt, dass trotz des momentan eintönigen Alltags viel Kreativität in den Schülerinnen und Schülern steckt. Wir sind stolz, dass unser Projekt diese Vielfalt fördern konnte.“
Pandemie hart für Schüler
Projektbetreuer Florian Moser ergänzt: „Ich bin begeistert von den tollen Einreichungen. Die Corona-Pandemie hat viele Schülerinnen und Schüler hart getroffen. Gerade dieser Kunst- und Kulturwettbewerb hat gezeigt, wie wichtig es ist, dass junge Menschen in dieser schwierigen Zeit ihrer Kreativität und ihren Gefühlen freien Lauf lassen können.“
In die gleiche Kerbe schlägt Jurymitglied Veronika Sutterlüty: „Der Kreativwettbewerb hat gezeigt, wie wichtig Möglichkeitsräume für Jugendliche sind – nicht nur, aber gerade in Zeiten wie diesen. Schülerinnen und Schüler konnten sich beim Wettbewerb ausprobieren, in bisher entfernte Welten eintauchen, Kreativität zulassen und mutig die eigene Gedankenwelt zeigen. Chapeau, eine gut überlegte Diplomarbeit die sich Elisa und Sarah erarbeiteten.“
Schlagzeilen aus Wuhan
Als Gesamtsieger wurde der selbst komponierte und produzierte „Rap“ von Daniel Moosbrugger, Schüler im II. Jahrgang Handelsakademie, gewählt. Sein Rap unter dem Titel „Wuhan“ fasst die Gedanken- und Gefühlswelt nach einem Jahr Pandemie zusammen: „ … Schlagzeilen aus Wuhan, damals hätte niemand je gedacht, wir sind bald dran – und jetzt schauen’s an …“
Dazu der Rapper: „Die Kunst-Challenge hat mir sehr gut gefallen, denn wir konnten unserer Kreativität freien Lauf lassen. Es fiel mir sehr leicht über das Thema Corona zu schreiben/rappen, weil es einen schon beschäftigt. Vor allem als Jugendlicher. Diese Challenge hat mir somit auch geholfen, die jetzige Situation ein bisschen mehr zu akzeptieren.“
Die Jury mit Susanne Speckle (Schul-Qualitätsmanagerin, Bildungsdirektion Vorarlberg), Veronika Sutterlüty (Kulturprojektleiterin der Regio Bregenzerwald), Josef Anton Meusburger (Theaterverein Bizau, ehemaliger Lehrer der BWS) und Florian Moser (Betreuer der Diplomarbeit), sprachen den zweiten Preis Anabel Scheiderbauer und Johanna Rhomberg für das Gedicht „Von Ungewissheit bis Hoffnung“ zu. Platz drei gab es für Marlene und Magdalena Mohr sowie Magdalena Greußing für das Bildertagebuch „Mit Roni Coroni durch Corona“ sowie ex aequo Ida Hagen für die Bilderreportage Ein Buch – eine Pandemie.
Die Klassenwertung gewann die 4. HLT mit „Schule zu Hause“, vor dem „Erlkönig 2020“ von der 4. HAK und dem „Virenkönig“ von der 1. HAK. STP

