Gesicht mit Fußtritt zertrümmert

Vorarlberg / 10.03.2021 • 10:00 Uhr
Gesicht mit Fußtritt zertrümmert
Der Angeklagter zeigte vor Richter Thomas Wallnöfer wenig Respekt. ECKERT

16-fach Vorbestrafter wegen brutaler Attacke vor Gericht.

Feldkirch Der 26-jährige Unterländer liebt Alkohol und durchzechte Nächte. 16 Vorstrafen finden sich in seiner Strafkarte, die Verhandlung am Landesgericht Feldkirch nimmt er äußerst locker. Wiederholt kommt von ihm die Aussage: „Keine Ahnung, weiß ich doch nicht mehr.“ Der Mechaniker war im Juli an einem schönen Sommerabend auf der Pipeline zwischen dem Bregenzer Hafen und dem vor Jahren errichteten Holzbadesteg.

Die Gruppe von jungen Leuten saß in der Wiese, blickte auf den See und unterhielt sich. Der 26-Jährige habe ab und zu etwas aufbrausend reagiert, erzählt das spätere Opfer im Zeugenstand. Irgendwas muss den Mechaniker in Rage gebracht haben. „Keine Ahnung, ich war stark alkoholisiert, hatte das ganze Wochenende durchgemacht und war an dem Montagabend übernächtig“, erinnert sich der Angeklagte. 

„Zeige ihm, was Respekt ist“

Der Verärgerte ging damals zunächst nach Hause, trank dort weiter und kam wieder. Davor soll er noch gesagt haben: „Jetzt gehe ich noch mal runter, haue dem eine aufs Maul und zeige ihm, was Respekt ist“, erinnert sich ein Zeuge. Nach der brutalen Attacke soll der Angeklagte gemeint haben: „Jetzt weiß er, was Respekt ist.“

Diese Aussagen finden sich jedenfalls im Polizeiprotokoll. Der Beschuldigte dementiert. Seine Version lautet so: Der andere, den er zuvor nicht kannte, habe ihn beleidigt und es habe einen Streit gegeben. Danach sei er nach Hause gegangen und sich telefonisch vergewissert, dass der andere jetzt weg sei. Dann sei er wieder runter zum See. Der andere sei aber immer noch da gewesen und habe gelacht. Da habe er sich provoziert gefühlt und ihm von hinten in den Rücken treten wollen. Eventuell habe sich das Opfer da grade umgedreht, es sei dunkel gewesen. Danach sei er heimgegangen, der Getroffene habe noch fit gewirkt. Ende der Geschichte. 

Schwere Verletzungen

Da einige Zeugen beim Prozess nicht erschienen, muss vertagt werden. Fakt ist, dass das am Boden sitzende Opfer einen Fußtritt direkt ins Gesicht bekam. Etliche der mittleren Gesichtsknochen wurden zertrümmert, ein Schneidezahn ging verloren, andere wackeln noch. Der junge Mann musste operiert werden, mit Metallschienen wurden die Knochen verbunden. Eine Woche war er im Spital, eineinhalb Monate im Krankenstand, heute spürt er Wetterumschwünge, mehrere Zahnbehandlungen stehen noch aus. Die Krankenkasse will vom Verursacher über 13.000 Euro, der Verletzte selbst 1000 Euro Teilschmerzensgeld. „Nein, ich erkenne gar nichts an“, demonstriert der Angeklagte einmal mehr Gleichgültigkeit. Am 21. April geht der Prozess weiter.