Thomas Matt

Kommentar

Thomas Matt

Vom Zauber des Anfangs

Vorarlberg / 07.03.2021 • 13:00 Uhr

Die Wahrheit ist: Es hört nie auf. Dieses Kribbeln im Bauch. Niemals. Denn den Tag gibt es nicht, an dem man völlig abgebrüht einen neuen Job antritt. Mal eben durch die Glastür ein „Hallöchen“ ins Personalbüro wirft, den Kollegen auf Bregenzerwäldarart mit leicht erhobenem Zeigefinger ein „Tservas“ zuzischt, ehe man am neuen Schreibtisch Platz nimmt, um dem Unternehmen schleunigst auf die Sprünge zu helfen.

Das gibt’s allenfalls im Film. Stattdessen: Fragen. Was soll ich anziehen? Gibt es einen Dresscode? Wann muss ich dort sein? Geht sich das aus mit Zug und Rad? Vielleicht hat man im Bewerbungsgespräch ja etwas dick aufgetragen. Dann wiegen die Gedanken schwerer. Kann ich das überhaupt? Werden die Kollegen nett sein? Fragen, nichts als Fragen.

Schön ist das eigentlich, wenn wir nie so abgebrüht sein werden, dass wir nicht mehr fühlen können, was Hermann Hesse so beschrieben hat: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“ Wie schön wäre es erst, wenn den 15.000 Frauen und Männern, die derzeit auf Arbeitssuche tagtäglich die Annoncen durchstöbern, in absehbarer Zeit so ein Anfang beschieden wäre. Wenn sie sich eines Morgen wieder fragen dürften: Was anziehen? Wann muss ich dort sein…?