Warum wegen Corona mehr Hundebisse befürchtet werden

Vorarlberg / 04.03.2021 • 19:00 Uhr
Warum wegen Corona mehr Hundebisse befürchtet werden
Mehr Hunde in Haushalten, doch weniger sozialer Kontakt unter ihresgleichen wirkt sich laut Kuratorium für Verkehrssicherheit auf das Verhalten der Vierbeiner aus. KÖCK


Tierliebe mit bissigen Folgen: Forderung nach Öffnung der Hundeschulen wird laut.

Schwarzach Der erste Lockdown im März vergangenen Jahres, das damit verbundene Mehr an Zeit daheim dank Homeoffice und Kurzarbeit und das Minus an sozialen Kontakten hat allgemein den Wunsch und das Interesse an Haustieren wachsen lassen. Auch Hunde sind stärker nachgefragt.

Aufgrund des Lockdowns und geschlossener Hundeschulen fehlt es den Tieren aber vielfach an Sozialkontakten und einer entsprechenden Ausbildung. Unfälle mit Hunden könnten dadurch zunehmen, warnen Experten. Schon unter normalen Bedingungen gibt es in Österreich laut der Unfalldatenbank des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) jährlich knapp 3900 Verletzte, die wegen Hundebissen im Krankenhaus behandelt werden müssen.

Mangel an Sozialkontakten


„Seit dem Ausbruch der Pandemie fehlte und fehlt die Möglichkeit einer allgemeinen Ausbildung, denn die Hundeschulen haben Corona-bedingt seit Monaten nicht geöffnet“, so KFV-Präventionsexpertin Johanna Trauner-Karner. Den Hunden fehlen damit wichtige Sozialkontakte zu anderen Tieren. Gerade im Welpen- und Junghundealter sei der Kontakt zu Artgenossen für die Entwicklung von ausschlaggebender Bedeutung.

Erste einschlägige Zahlen aus den Krankenhäusern zeigen tatsächlich einen leichten Anstieg an Hundebissen im Jahr 2020: „Wir sehen in unserer Unfalldatenbank derzeit eine Zunahme an Hundebissen im letzten Jahr bei Kindern“, so das KfV. Besonders auffällig: Wie eine Erhebung des Vereins „Große schützen Kleine“ darstellt, beißt häufig nicht der eigene Hund. Fast jeder zweite Biss wird durch einen bekannten Hund, also zumeist durch den Hund von Großeltern, Onkeln und Tanten oder Nachbarn, verursacht.

Geteilte Meinungen

Über die aktuellen Befürchtungen des KfV gibt es jedoch geteilte Meinungen. Friedrich Gruber, Vorarlberger Landesleiter der österreichischen Rettungshundebrigade, sieht gegenüber den VN keinen Grund zu irgendwelcher Panikmache. Ihm sei jedenfalls keinerlei steigende Aggression bei den Hunden aufgefallen. „Solange der Besitzer seinen Hund beschäftigt und verantwortungsvoll mit ihm umgeht, ist nichts zu befürchten“, sagt Gruber. Dennoch könne das angebliche Problem ein gutes Argument dafür sein, die Hundeschulen wieder zu öffnen.

Vergangene Woche wurde im Parlament ein Antrag der SPÖ bezüglich der Öffnung der Hundeschulen eingebracht, ist aber trotz Unterstützung der gesamten Opposition von der Regierung (ÖVP und Grüne) schlussendlich abgelehnt worden.