Kunst hilft überleben

Sigi Ramoser initiiert Rettungsaktionen für Verein Vindex.
DORNBIRN Es steht nicht gut für Vindex – Schutz und Asyl. Der Verein zur Förderung, Unterstützung und Integration von Konventionsflüchtlingen und Asylsuchenden steht vor dem Aus. Die Landesregierung hat dessen Antrag auf finanzielle Unterstützung abgelehnt. Der bisherige Förderer, die Weitblick GmbH, hat neue Schwerpunkte gesetzt und kann dem Verein keine Geldmittel mehr zur Verfügung stellen. Zudem sind durch die Coronakrise die Spendeneinnahmen drastisch eingebrochen. Nun hat sich mehr als ein Dutzend Personen unterschiedlichster Berufsgruppen zu einem Unterstützungskomitee zusammengeschlossen, das mit Kampagnen und Aktionen Vindex retten will.
Dem Komitee gehört auch Sigi Ramoser an. Der 58-jährige Grafik-Designer, Kommunikationsberater und Geschäftsführer des Büros Sägenvier, ist über die Sonntagsdemos auf Vindex aufmerksam geworden. (Vindex ist einer der Organisatoren.) Unterstützt vom gesamten Sägenvier-Team hat Ramoser für die Sonntagsdemos die Gestaltung der Ankündigungssujets und Ansprachen übernommen – ehrenamtlich. „Hier sind tolle Menschen auf die Straße gegangen und haben ihre Solidarität für Menschen bekundet“, begründet Ramoser sein Engagement.
Als erste Rettungsaktion wurde im Sägenvier-Büro ein Kalender 2021 gestaltet, der vom Fotografen Darko Todorovic portraitierte Menschen und deren Geschichten darstellt. Auch Todorovic arbeitete ehrenamtlich mit. „Der Kalender zeigt Menschen mit Flüchtlingsstatus sowie Menschen mit Migrationshintergrund, die im Chancenland Vorarlberg heute eine gute Position innehaben“, erklärt Ramoser. „Damit wollen wir zeigen, dass alle Menschen eine Herkunft haben und in unserem Land eine Chance bekommen sollen.“ Der Kalender wurde um 18 Euro pro Stück restlos verkauft. Damit und mit zusätzlich eingenommenen Spenden kann Vindex vorerst den Betrieb bis August aufrechterhalten.
Als nächste Rettungsaktion sind Kunstauktionen geplant: „Wir haben 60 Bilder gespendet bekommen, die wir im ersten und zweiten Quartal 2021 online versteigern.“ Es werden noch Künstler gesucht, die dem Unterstützungskomitee Werke zur Verfügung stellen.
Der Erlös der Auktionen wird unter den Künstlern und Vindex aufgeteilt. Ramoser betont: „Es soll eine Kulturinitiative sein, die sowohl den Künstlern hilft als auch dem Verein Vindex die Fortsetzung seiner Arbeit ermöglicht.“ Gerade während der Coronakrise empfindet er solch ein Projekt als „ein Lebenselixier. Vor allem in schwierigen Situationen hilft es mir persönlich, mit tollen Menschen Energien zu bündeln und anderen zu helfen, die sonst vielleicht in diesen unwirtlichen Zeiten durchs Raster fallen.”
Migrationshintergrund
Das Thema Flucht betreffend ist Sigi Ramoser familiär bedingt sensibilisiert: „Meine Großeltern und Eltern sind aus Südtirol und aus der Steiermark aus politischen beziehungsweise aus wirtschaftlichen Gründen nach Vorarlberg immigriert. Sie haben hier ihren Platz gefunden. Mit Kampf und Ablehnung, aber mit Zukunftsperspektiven.“ Unter diesen Voraussetzungen sei er „sehr liebevoll und wertschätzend“ in Lustenau aufgewachsen, wo er 1962 zur Welt gekommen ist. Als junger Mann hat er sich in Dornbirn niedergelassen und dort „weitere Wurzeln gebildet“. Er gründete seine eigene Familie – er ist Vater von vier erwachsenen Kindern. Seine Familie beschreibt er als ein Zentrum der Energie. „Auch das Sägenvier ist eines“, räumt er ein. Das Büro für Design und Kommunikation gründete er 1986.
Hobbys zur Freizeitgestaltung betreibe er keine: „Ich bin Gestalter der Dinge und das ist mein Hobby und meine Erfüllung.“
ZUR PERSON
Sigi Ramoser
Geboren 22. Juni 1962
Wohnort Dornbirn
Beruf Grafik-Designer und Kommunikationsberater
Familie verheiratet, 4 Kinder (30, 28, 23, 23 Jahre)