Der Februar der Zweitimpfungen

Vorarlberg / 18.02.2021 • 08:00 Uhr
Der Februar der Zweitimpfungen
Pierre Ströhle (Mitarbeiter Rettungs- und Feuerwehrleitstelle) und Dr. Alexandra Rümmele-Waibel (Impfreferentin Ärztekammer) bei der Eröffnung der Impfstraße im Messequartier. APA

Zwei von drei in Österreich verabreichten Impfdosen waren diesen Monat bislang Zweitimpfungen. Die EU ist derweil wieder auf Einkaufstour.

Wien In der Ordination Schnegg in Sonntag ist am Mittwoch wie üblich Ordination. Die fünf Damen der Arztpraxis ließen sich frühestmöglich impfen (die VN berichteten). “Inzwischen haben wir auch alle die zweite Impfdosis erhalten”, versichert das Team rund um Ärztin Gerlinde Schnegg am Telefon – beide Dosen ohne Nebenwirkungen oder Beschwerden.

Wie den fünf Frauen aus dem Großwalsertal geht es inzwischen über 10.800 Vorarlbergern. So viele erhielten mit Stand Dienstag beide Impfdosen. Bei 14.370 Impfungen in Vorarlberg seit Weihnachten sind das nicht weniger als drei Viertel der bislang in Vorarlberg geimpften Personen. 7476 von ihnen erhielten ihre Impfung im Februar, jedoch wurden im selben Zeitraum nur 2229 erste Impfdosen ausgegeben. In Österreich spiegelt sich das wider: Von 213.566 laut E-Impfpass im Februar durchgeführten Impfungen waren 68 Prozent Zweitimpfungen. Der Grund dafür sind die Anfang Monat berichteten Lieferverzögerungen, wie auch dass die EU bei ihrer Einkäufen vor allem auf den recht günstigen Impfstoff von Astrazeneca setzte, der erst Ende Jänner zugelassen wurde.

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Europa hinkt hinterher

Wenig verwunderlich hinken die europäischen Länder Vorreitern wie Großbritannien oder Israel hinterher: Während Israel jede zweite Person über 30 bereits impfen konnte, ist Malta mit sieben Erstimpfungen pro 100 Einwohner EU-Spitzenreiter. Gegenüber France 24 sah Premierminister Chris Faerne dafür drei Gründe: Den Einkauf des Impfstoffes über die EU, die Bestellung von zwei Millionen Impfdosen bei einer halben Million Einwohner und die engmaschige Impfinfrastruktur des Inselstaates. Die meisten EU-Länder liegen bei vier bis sechs Prozent, der Vergleich ist jedoch schwierig. Manche Länder rechnen auf die Gesamtbevölkerung, andere auf die impfberechtigte Bevölkerung. Die einen zählen nur verabreichte Dosen, andere wiederum ausgelieferte. In Österreich kommt hinzu, dass der elektrische Impfpass teilweise noch im Aufbau befindet, es werden daher noch nicht alle tatsächlich getätigten Impfungen zeitnah wiedergegeben. Russland lockt wiederum mit Exporten seines Impfstoffes Sputnik V, konnte jedoch in dem halben Jahr seit dessen Zulassung nur etwa 1,5 Prozent seiner eigenen Bevölkerung damit schützen.

EU auf Einkaufstour

Die EU-Kommission ist derweil wieder auf Einkaufstour, wie am Mittwoch bekannt wurde. Von Moderna kauft die EU 150 Millionen Impfdosen für 2021 mit der Option auf weitere 150 Millionen für 2022. Biontech und Pfizer sollen zusätzliche 200 Millionen zu den bereits vereinbarten 300 Millionen Impfdosen liefern. Beide Impfstoffe haben bereits ihre Zulassung. Der Impfstoff von Johnson & Johnson wartet auf seine Zulassung. Gleichzeitig entbrannte eine Debatte, ob der Patentschutz für diese Impfstoffe gelockert werden sollte. Die Produzenten halten dagegen, dass aufgrund der Komplexität der Produktion auch ohne Patentschutz nicht eine Dosis mehr auf den Markt käme.

Das Gesundheitsministerium rechnet damit, dass an Österreich bis Ostern insgesamt zwei Millionen Impfdosen geliefert werden. Zwischen Weihnachten und Aschermittwoch erreichte mit 546.345 Impfdosen gerade einmal ein Viertel dieser Marke die Alpenrepublik. “Aktuell werden Hochrisikogruppen und die über 80-Jährigen außerhalb der Heime geimpft. Ab dem Sommer wird sich jeder impfen lassen können, der das möchte”, versichert das Gesundheitsministerium gegenüber den VN.