Asche auf mein Haupt
Asche aufs Haupt, murmelt der Priester. Wenigstens streut er ihnen Asche aufs Haupt, wenn er den Gläubigen wegen der verflixten Pandemie schon kein Kreuz auf die Stirn malen darf. Asche aufs Haupt?, fragt der Narr, der sich nicht des kleinsten Exzesses entsinnen kann. Echt jetzt? Wer den Aschermittwoch traditionell mit opulentem Heringsschmaus in Verbindung bringt, sagt gar nichts mehr. Der wimmert nur leise.
Nein, der Aschermittwoch, der uns in üppigeren Jahren mahnenden Zeigefingers an die Vergänglichkeit erinnert hat, steht heuer krisenbedingt seltsam blass im Gelände. An einer Gesellschaft, die schon den Spaziergang am See als ausufernde Lustbarkeit empfindet, perlt der Aufruf zur Buße ab wie Sommerregen.
Also haben wir heuer gar keine seelische Reinigung nötig? Gut, wir könnten uns in der gegenseitigen Herabsetzung zügeln, das wär doch was! Wenn Tiroler und Wiener einander endlich verstünden, für solche Utopien zeichnet schon das Alte Testament passende Bilder: „Die Wölfe werden bei den Lämmern wohnen, und Löwen werden Stroh fressen wie die Ochsen.“ Franz Fischler sagt das weniger poetisch. „Wir brauchen Maßnahmen statt Marketing“, hat er den Hitzköpfen ausrichten lassen. Er ist kein Prophet, der Franz Fischler, aber eben ein Tiroler, der schon über die Schrofen hinausgeblickt hat. Also doch eine Art Prophet im heiligen Land . . . Asche auf mein Haupt!
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