Liftbetreiber am Arlberg mit Millioneninvestitionen

Vorarlberg / 16.02.2021 • 18:30 Uhr
Liftbetreiber am Arlberg mit Millioneninvestitionen
Die Skiroute Madloch-Zug ist einer der bekanntesten Abschnitte der Skirunde Weißer Ring. Mit der neuen Madlochbahn sollen die Förderkapazitäten deutlich verbessert werden. RHOMBERG

Madlochbahn und Zugerbergbahn sollen im Sommer erneuert werden, Pläne für Schlosskopfbahn in Schublade.

Lech, Zürs Wirtschaftlich ist die Wintersaison gelaufen, als verkorkst abgehakt. Das Coronavirus hat den heimischen Liftbetreibern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Am Arlberg ist der Blick allerdings schon nach vorne gerichtet. Mit Millioneninvestitionen in Zürs, Lech und Zug soll der Qualitätsstandard weiter gehoben werden. Die Bagger sollen bereits im Sommer auffahren. “Dass wir auch in Zeiten investieren, wo es Mut braucht, das hat die ganze Geschichte der Skilifte Lech geprägt”, sagt Seilbahn-Pionier Michael Manhart (79), Geschäftsführer der Skilifte Lech Ing. Bildstein GmbH. Mut beweist auch die Ski-Zürs AG, die einen beträchtlichen Betrag für den Neubau der Madlochbahn in die Hand nimmt. “Wenn die Bescheide eintreffen, würden wir gerne in den nächsten Monaten mit den Arbeiten starten”, sagt deren Vorstandsvorsitzender Philipp Zangerl (45).

Liftbetreiber am Arlberg mit Millioneninvestitionen
Philipp Zangerl (45), Vorstandsvorsitzender Ski Zürs AG. Ski-Zürs-AG

Neue Madlochbahn

In Zürs ist die Madlochbahn in die Jahre gekommen. Errichtet wurde sie 1967 und 1990 zuletzt umfangreich modernisiert. Die 2er-Sesselbahn sei die älteste Anlage in Zürs, so Liftechef Zangerl. Sie soll durch eine kuppelbare 6er-Sesselbahn ersetzt, die Beförderungskapazität damit von 1440 auf 2180 Personen pro Stunde erhöht werden (im Anfangsausbau 1600 Personen). Das Investitionsvolumen beziffert Zangerl mit zehn Millionen Euro. Derzeit laufe das Naturschutzverfahren, man warte auf den Bescheid. “Die Bahn ist mit ein paar Abstrichen machbar”, sagt Vorarlbergs Naturschutzanwältin Katharina Lins im Gespräch mit den VN. Sorge bereiten ihr jedoch ein später möglicherweise erforderlicher Ausbau der berühmten Madloch-Abfahrt. Das wäre nicht ohne erhebliche Geländeeingriffe möglich, kündigt sich Widerstand an. Seitens des Betreibers heißt es wiederum, für den Ausbau der Skiroute gebe es aktuell keine Einreichunterlagen.

Der Ausbau der Madlochabfahrt hätte erhebliche Geländeeingriffe zur Folge.

Katharina Lins, Naturschutzanwältin

Mit einem erwartbar positiven Bescheid könnten die Pläne, die auch Adaptierungen der Pisten umfassen, rasch umgesetzt werden. Die bestehende Talstation würde abgetragen und auf der anderen Seite des Zürsersees neu errichtet werden. Aus den eingereichten Unterlagen geht hervor, dass es sich um eine moderne und leichte Stahl-Glas-Konstruktion handeln wird. Die finalen Pläne bleiben bis zum Ende des Genehmigungsverfahren in den Schubladen des Liftbetreibers.

Zwei Projekte am Start

Ein paar Kilometer weiter, in Lech, füllen Planungsunterlagen die Aktenordner der dortigen Liftgesellschaft. Auch ihnen fehlt der letzte Schliff. Die Eckdaten verrät Geschäftsführer Michael Manhart im VN-Gespräch. Konkret sind zwei Erneuerungen in Vorbereitung. So soll von Zug auf die Palmalp die aktuelle 2er-Sesselbahn durch eine 10er-Umlaufbahn ersetzt werden und die Kapazität von 1400 auf 2200 bis 2400 Personen pro Stunde erhöht werden. Der Kellerbahnhof für die neue Zugerbergbahn wurde bereits realisiert, jetzt steht die Bahn selbst vor dem Baustart. Von den Behörden gibt es grünes Licht. 30 Millionen Euro will der Liftbetreiber in die Qualitätssteigerung investieren und das Projekt zeitlich abgestimmt mit der Madlochbahn realisieren. “Aus heutiger Sicht beginnen wir im Sommer mit den Bauarbeiten”, sagt Manhart. Von der Coronapandemie wolle man sich nicht ausbremsen lassen.

Michael Manhart (79), Geschäftsführer der Skilifte Lech Ing. Bildstein GmbH. <span class="copyright">Lerch</span>
Michael Manhart (79), Geschäftsführer der Skilifte Lech Ing. Bildstein GmbH. Lerch

Ausgebremst wird ein anderes Bauvorhaben von einem Grundstückseigentümer. Pläne für eine neue Schlosskopfbahn gibt es schon länger, die Umsetzung ist wegen des Widerstands des Bodenbesitzers jedoch ungewiss, wie Michael Manhart sagt. 15 Millionen Euro würde das Projekt kosten. Die 2er-Sesselbahn soll demnach durch eine kuppelbare 6er-Sesselbahn ersetzt werden (Kapazitätserhöhung von 1400 auf 2000 Personen pro Stunde). Der Lecher Liftepionier setzt derweil weiter auf Gespräche, sieht als letzte Möglichkeit aber auch eine Dienstbarkeitsenteignung nach dem Seilbahngesetz durchsetzbar. “Irgendwann werden wir sie bauen”, so Manhart. Sie würde eine wichtige Achse ins Skigebiet darstellen und auch den Verkehr im Ort entzerren.

Liftbetreiber am Arlberg mit Millioneninvestitionen
Südansicht der neuen Talstation der Madlochbahn laut Einreichung. Mögliche geforderte Adaptierungen sind in der Abbildung nicht berücksichtigt. Planer: Gaugelhofer
Liftbetreiber am Arlberg mit Millioneninvestitionen
Westansicht der neuen Talstation der Madlochbahn laut Einreichung. Mögliche geforderte Adaptierungen sind in der Abbildung nicht berücksichtigt. Planer: Gaugelhofer