Apothekenchef unter Beschuss

Anonyme Anwürfe und Forderung nach Rücktritt.
höchst Absender gibt es keinen, dafür aber eine volle Breitseite: Adressat ist der Vorarlberger Apothekerkammerpräsident Jürgen Rehak. Da fordert „eine engagierte Gruppe von Apothekerinnen und Apothekern, denen der Berufsstand noch wirklich am Herzen liegt“, wie es in dem anonymen Schreiben heißt, den Rücktritt von Rehak als Präsident des Österreichischen Apothekerverbandes. Hintergrund ist die Impfung seiner aus Niederösterreich stammenden Lebensgefährtin in Vorarlberg. Rehak spricht auf VN-Nachfrage von einer hinterhältigen und feigen Aktion und überlegt eine Klage gegen unbekannt. „Was da geschrieben wurde, ist ehrenrührig. Das darf man sich nicht gefallen lassen”, geht er in die Offensive. Einen Beweggrund für die Anwürfe ortet er in Wahlen, die im Herbst im Apothekerverband anstehen und dessen Präsident der Höchster derzeit ist.
Die Impfcausa schlug im Jänner hohe Wellen, sogar über die Landesgrenzen hinaus. Jürgen Rehak verteidigte die Inanspruchnahme der Impfung durch die Lebensgefährtin als rechtskonform. Sie helfe in seiner Apotheke aus, wenn Not an Mitarbeitenden sei, und die Bundesverordnung sehe im Impfplan auch Gastpersonal vor. Zudem sei sie selbst Apothekerin, zähle damit also zum Fachpersonal. Einer namenlos agierenden Pharmazeutengruppe reichen diese Argumente nicht. Sie hat sich auf Rehak eingeschossen und eine Aussendung lanciert, in der mit starken Sprüchen wahrlich nicht gespart wird. So werden dem Apotheker aus Höchst nichts weniger als eigennütziges und korruptes Treiben sowie fadenscheinige Schutzbehauptungen vorgeworfen. Auch von einem noch nie dagewesenen skandalösen Verhalten eines Standesvertreters ist die Rede, das die ganze Apothekerschaft in den Schmutz ziehe. Wer so agiere, noch dazu als Kammer- und Verbandspräsident, und “unserer Branche einen derart fatalen Imageschaden” zufüge, sei als Standesvertreter untragbar, wettert ein Teil der Kollegenschaft.
Strafrechtliche Relevanz
Beigefügt sind dem Schreiben noch Auszüge aus verschiedenen Zeitungsberichten sowie Kommentare aus sozialen Medien. Die Autoren hingegen bleiben unbekannt. Die kommen, so viel hat Jürgen Rehak festgestellt, wie er sagt, vornehmlich aus der Osthälfte der Alpenrepublik. “Das Schreiben geht an einen Kreis, der sich aber nicht wirklich fassen lässt”, spricht er von 20 bis 25 Personen, die seinen Vermutungen zufolge hinter der Forderung nach einem sofortigen Rücktritt stehen. Die Ansicht des Apothekenchefs teilen offenbar auch Apotheker im Land. Die Aussendung beinhalte eine Reihe von Anschuldigungen, die eine strafrechtliche Relevanz hätten, erklärt Rehak weiter, der die Post deshalb bereits durch einen Anwalt prüfen ließ. Die Angelegenheit bewegt ihn hörbar. “Da steckt pure Feigheit dahinter”, ärgert sich Jürgen Rehak maßlos.