Ein Impfstoff nur für Jüngere?

Vorarlberg / 31.01.2021 • 19:50 Uhr
Über 65-Jährige dürften sich vorerst nicht mit AstraZeneca impfen lassen.<span class="copyright"> VN/Stiplovsek</span>
Über 65-Jährige dürften sich vorerst nicht mit AstraZeneca impfen lassen. VN/Stiplovsek

AstraZeneca wohl kein Thema für Menschen über 65 Jahren.

Wien, Schwarzach Impfen nur für unter 65-Jährige, wie das Robert-Koch-Institut in Deutschland empfiehlt? Oder gar nur für unter 55-Jährige wie in Italien? Am Sonntagabend traf sich das österreichische nationale Impfgremium, um über die Frage zu diskutieren, für wen der Impfstoff von AstraZeneca in Österreich zugelassen wird. Pensionistenvertreter sehen ihn skeptisch.

Am Freitag hat die EU den Impfstoff des britisch-schwedischen Pharmakonzerns AstraZeneca für alle über 18 Jahren zugelassen. Ob er auch Senioren verabreicht wird, muss jedes Land für sich entscheiden. Die Bundesregierung will auf Basis der Einschätzung des Impfgremiums heute, Montag, mit den Landeshauptleuten das Thema besprechen. Danach wird das weitere Vorgehen festgelegt. Gegen den AstraZeneca-Impfstoff gibt es Vorbehalte, weil zur Beurteilung der Effektivität bei Personen ab 65 Jahren keine ausreichenden Daten vorliegen. In Deutschland hat das zuständige Gremium des Robert-Koch-Instituts von der Anwendung bei über 65-Jährigen abgeraten.

Pensionistenvertreter haben schon Bedenken geäußert. “Was die Freigabe für über 65-Jährige betrifft, bin ich skeptisch”, erklärt Werner Huber, Obmann des Vorarlberger Seniorenbunds. “Das ist für unsere Altersgruppe natürlich sehr schlecht, da der Impfstoff rar ist. Aber medizinisch ist Vorsicht geboten. Österreich sollte sich den Argumenten aus Deutschland anschließen.” Viele ältere Menschen seien zwar schon versorgt, aber Vorarlberger seiner Altersklasse müssen weiter warten, fährt der 73-Jährige fort. “Wir sind genau diejenigen, die nun mittendrin hängen. Wir müssen uns darauf einstellen, dass es noch ein bisschen dauert.”

Harte Kritik

Manfred Lackner, Präsident des Vorarlberger Pensionistenverbands, sieht es ähnlich. “Bei AstraZeneca ist das eigentlich schon länger klar, weil die Studien für die ältere Generation offenbar nicht so genau gemacht wurden.” Nun sei eben Flexibilität gefragt. “Jetzt geht es darum, dass man die Jüngeren damit impft und schaut, dass man für die Älteren Impfstoff von Biontech/Pfizer und Moderna bekommt.” Insgesamt sei es bei den Impfungen aber blamabel abgelaufen. “Es wurde viel versprochen, dann gab es zu wenig Impfstoff. Die Vorbereitungen lassen zu wünschen übrig”, ärgert sich Lackner.

Die Vorarlberger Landesregierung konzentriert sich derzeit auf Zweitimpfungen. In Dornbirn haben laut Auskunft des Landes von Freitag bis Sonntag 3069 Ärzte und Mitarbeiter aus Ordinationen und Apotheken ihre zweite Dosis erhalten. Insgesamt haben 3398 von 12.501 geimpften Vorarlbergern den zweiten Stich hinter sich. Darunter befinden sich auch viele junge Menschen. Nachdem AstraZeneca vorläufig wohl nicht für Ältere zugelassen wird, ist in Deutschland eine Diskussion entbrannt, wie damit umgegangen werden soll. Die deutsche Stiftung Patientenschutz fordert, dass die Mittel von Biontech/Pfizer und Moderna zunächst Menschen über 65 vorbehalten werden sollen.