Bemerkenswerte Namensgebung

Vorarlberg / 31.01.2021 • 17:09 Uhr
Der Blick vom Montikel zeigt die Jellerstraße sowie den ehemaligen Messweg als markante Straßenzüge im Bludenzer Unterfeld.<span class="copyright">Stadtarchiv</span>
Der Blick vom Montikel zeigt die Jellerstraße sowie den ehemaligen Messweg als markante Straßenzüge im Bludenzer Unterfeld.Stadtarchiv

Straßenzug im Unterfeld wurde nach letztem Opfer des Nationalsozialismus benannt.

Bludenz Eine Straße nach einem Opfer des Nationalsozialismus zu benennen, ist bis heute etwas Besonderes, weil durchaus Seltenes. Dies noch im selben Jahr zu tun, in dem der Zweite Weltkrieg endete, war umso bemerkenswerter. Die Stadt Bludenz nahm mit der Benennung einer Straße nach dem Widerstandskämpfer Alois Jeller (1902-1945) in dieser Hinsicht eine Vorreiterrolle ein.

Aufgegriffen und ermordet

Der Straßenzug befindet sich im Bludenzer Unterfeld, wo er vom Fuße des Montikels bis zur Schillerstraße führt. Erstmals benannt wurde er im November 1936, damals als Ziegelhüttenstraße. Mit dem Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft war es schnell das Ziel der Kommissarischen Stadtvertretung Bludenz, den Adolf-Hitler-Platz umzubenennen. Dieser sollte in Jellerplatz umbenannt werden. Die Ermordung des Bahnpolizisten Alois Jeller war eine der letzten Gräueltaten der Nationalsozialisten in Bludenz. Der 43-Jährige war Teil der Widerständler, die in der Nacht vom 2. auf den 3. Mai 1945 die Kreisleitung in der Untersteinstraße 4 stürmten. Aufgrund der anrückenden Unterstützung von Wehrmachtsoldaten mussten sie jedoch fliehen. Jeller versteckte sich im Haus Herrengasse 15, wurde aber von SS-Männern festgenommen und später ermordet. Am darauffolgenden Morgen flohen die NSDAP-Funktionäre ihrerseits vor den anrückenden Franzosen aus Bludenz.

Straße statt Platz

Die Benennung des Jellerplatzes war eigentlich schon beschlossen, jedoch wurde er in einer weiteren Sitzung doch noch in Freiheitsplatz umbenannt. Stattdessen erhielt die Ziegelhüttenstraße am 2. August 1945 den Namen Jellerstraße. Doch auch so war Bludenz eine der ersten Städte in ganz Österreich, die ein NS-Opfer in ihrem Straßenbild verewigte. SES

Alois Jeller: Letztes Opfer der Nationalsozialisten in Bludenz.<span class="copyright">Archiv Schwald</span>
Alois Jeller: Letztes Opfer der Nationalsozialisten in Bludenz.Archiv Schwald