Immobilienmarkt bricht alle Rekorde

Vorarlberg / 17.01.2021 • 07:00 Uhr
Immobilienmarkt bricht alle Rekorde
Immobilien-Boom hält an. Auch die Preise fürs Wohnen sind in Vorarlberg zuletzt weiter deutlich gestiegen. VN/STEURER

Immobiliengeschäfte erreichen ein Volumen von 2,32 Milliarden Euro. “Beton-Gold” steht hoch im Kurs.

Schwarzach Vorarlbergs Immobilienmarkt legt kräftig zu. Das zeigen VN-Recherchen im Grundbuch, die auf den tatsächlich erfolgten Verkäufen basieren. Demnach haben 2020 Immobilien im Wert von 2,32 Milliarden Euro den Besitzer gewechselt – mehr als je zuvor. Das Verkaufsvolumen ist innerhalb von zwölf Monaten um 8,9 Prozent gestiegen. Auch die Anzahl der Verkäufe hat mit 7313 einen neuen Spitzenwert erreicht (plus 7,6 Prozent). Während die Coronakrise viele Wirtschaftsbereiche lahmlegt, zeigt sich der Immobilienmarkt krisenresistent. Einzelne Bereiche, wie etwa Wohnbauimmobilien, hätten gar einen Schub erlebt, sagt Wolfgang Bösch, Geschäftsführer von Hypo Immobilien & Leasing. Das Thema Wohnen habe weiter an Bedeutung gewonnen. Besonders gefragt seien Immobilien mit Gartenanteil oder Balkon. Die stabile Marktsituation sei aber auch der Tatsache geschuldet, dass Immobilien Investitionsgüter mit langfristiger Perspektive seien. Auch Investoren mischen längst den Markt auf. Das “Beton-Gold” steht hoch im Kurs. Wobei hier weniger Renditeüberlegungen im Fokus stünden als Sicherheit in der Veranlagung, so der Experte.

Preise kräftig gestiegen

Rekordverdächtig sind mittlerweile aber auch die Preise am Immobilienmarkt. Wohnungen haben sich laut Grundbuchdaten innerhalb eines Jahres um 10,4 Prozent verteuert. Der 5-Jahres-Vergleich zeigt gar einen Preissprung um 53,6 Prozent. So lag der durchschnittliche Quadratmeterpreis aller knapp 3000 verkauften Wohnungen im Vorjahr bei 4635 Euro. Einer von mehreren Gründen dafür sind die weiter steigenden Grundstückspreise, die ein neues Rekordhoch erleben. Laut VN-Recherchen haben sich die Bodenpreise innerhalb von fünf Jahren verdoppelt.

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Immobilien-Experte Wolfgang Bösch. VN/Gasser

2021 werden steigende Grundstückspreise und höhere Baukosten im Neubaubereich zu weiteren Preissteigerungen führen.

Wolfgang Bösch, Hypo Immobilien & Leasing

“Grundstücke sind generell ein rares Gut”, sagt Wolfgang Bösch. Deshalb sei auch nicht damit zu rechnen, dass sich an der Entwicklung etwas ändere. Derzeit erarbeitet die Hypo Immobilien die jährliche Richtpreisbroschüre. Für 2021 würden weiter steigende Grundstückpreise und höhere Baukosten im Neubau zu Steigerungen führen. Der Sekundärmarkt, also etwa gebrauchte Wohnungen, legt indes kaum zu. “Auch bei den Mietpreisen wird es keine massiven Steigerungen mehr geben”, so die Experteneinschätzung.

Regionale Unterschiede

Wohnen ist in Vorarlberg überall teuer, in den Trend-Regionen wie dem Rheintal und dem Walgau ganz besonders. Dort, wo es viel Zuzug gibt, die Nachfrage hoch ist, wirke sich das auf die Preisentwicklung aus, beschreibt Bösch regionale Unterschiede. Ersichtlich werden diese auch an Beispielen von Orten mit besonderen Lagen. Seesicht oder Wintertourismus treiben die Preise in extreme Höhen. So wurden im Vorjahr in Lech für Grundstücke pro Quadratmeter durchschnittlich 2092 Euro bezahlt. Der Quadratmeterpreis für Wohnungen in Lochau ist um 37,5 Prozent auf 5536 Euro geklettert – knapp 1000 Euro über dem vorarlbergweiten Durchschnitt und dennoch weit unter jenem am Arlberg, wo der Wohnungs-Quadratmeterpreis bei 13.660 Euro lag.

Handelsflächen unter Druck

Unterschiedliche Entwicklungen gibt es bei den verschiedenen Immobilientypen. Während Wohnraum teurer wurde, stehen Handelsflächen mit Ausnahme von Toplagen unter Druck. Nachvermietungen würden schwieriger, sagt Wolfgang Bösch. Auch Tourismus- und Hotellerie-Immobilien würden die Corona-Krise sehr wohl zu spüren bekommen.

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