Warum private Kindergruppen bald vor den Scherben ihrer Existenz stehen könnten

Land will ab dem neuen Bildungsjahr Elternbeiträge nicht mehr stützen.
Schlins Die Hiobsbotschaft kam mit der Weihnachtspost. Am 23. Dezember teilte das Land den privat geführten Kinderbetreuungseinrichtungen mit, dass die Förderung des Elternbeitrags für Vier- und Fünfjährige ab dem Bildungsjahr 2021/22 gestrichen wird. Begründung: Es gebe genug Platz in den öffentlichen Kindergärten. Erschwerend kommt hinzu, dass die privaten Träger trotzdem an die Tarife des Landes gebunden bleiben. Das heißt, sie dürfen auch ab Herbst 2021 lediglich den Monatstarif von 38 Euro einheben. Bea Madlener-Tonetti, Vorsitzende des Landesverbandes der selbstorganisierten Spiel- und Kindergruppen, ist empört: „Damit geht nicht nur die Wahlfreiheit für Eltern verloren. Der Wegfall der Förderung bringt auch die Einrichtungen in finanzielle Nöte. Vor allem kleinere Einrichtungen laufen Gefahr, zusperren zu müssen, weil sich Eltern die höheren Kosten nicht mehr leisten können.“ Diese liegen zwischen 150 und 200 Euro pro Monat.
Schlechter Zeitpunkt
Wie viele Kinder von der Streichung des Landeszuschusses betroffen wären, wird vom Landesverband derzeit erhoben. 35 Einrichtungen wurden angeschrieben, knapp die Hälfte hat bislang eine Rückmeldung abgegeben. Der zufolge gibt es in den privaten Betreuungseinrichtungen 118 Vier- und 98 Fünfjährige. Es dürften aber noch weitaus mehr werden. Was Bea Madlener-Tonetti besonders ärgert ist, dass die Information zu einem Zeitpunkt kam, als die meisten Einrichtungen aufgrund der Weihnachtsferien schon geschlossen hatten, die Budgets weitgehend erstellt und diese mit denselben Förderungen kalkuliert waren. Auch die Anmeldungen für das neue Betreuungsjahr laufen bereits. „Die Ankündigung, wonach das Land den Differenzbetrag nicht mehr fördert, hat Träger und Eltern unvermittelt getroffen“, spricht Madlener-Tonetti von harten Konsequenzen.
Verlust an Vielfalt
Für sie, aber auch für die Träger der privaten Einrichtungen, ist die Streichung der Förderung nicht nachvollziehbar. Das Geld werde wohl von den privaten hin zu den öffentlichen Einrichtungen gehen, vermutet sie. „Dass dort Platz ist bzw. Platz durch Ausschöpfung der maximal erlaubten Kinderanzahl geschaffen wird, mag stimmen. Es ist aber auch bekannt, dass es an ausgebildetem Personal mangelt“, macht Bea Madlener-Tonetti auf ein weiteres Problem aufmerksam. Zudem gehe die Vielfalt verloren. „Allen Kindern wird dasselbe Konzept übergestülpt, ohne Rücksicht auf Bedürfnisse, Befindlichkeiten sowie Erziehungs- und Lebensmodelle der Eltern“, kritisiert die Landesvorsitzende weiter. Private Träger seien hier deutlich flexibler. „Mir tut das Herz weh, wenn ich daran denke, wie private Träger in Vorarlberg sich seit vielen Jahren für Qualität, Flexibilität und Wahlfreiheit der Eltern einsetzen und ihnen nun so das Wasser abgegraben wird“, zeigt sich Bea Madlener-Tonetti bestürzt.
Geringschätzung geortet
Das sind auch die Vertreter der Einrichtungen. „Die Kälte der knapp gehaltenen amtlich-administrativen Mitteilung der Landesregierung kurz vor Weihnachten erleben wir alle als Geringschätzung unserer jahrelangen bemühten Arbeit für die Kinder“, heißt es etwa von Seiten der Kinderstube in Höchst. Im Sine des Landesmottos „Chancenreichster Raum für Kinder“ sei diese Entscheidung mehr als unverständlich und schmerzlich. Aus der Lernwerkstatt Brunnenfeld kommt zwar Verständnis für nötige Einsparungen, aber: „Es kann nicht sein, dass dies zu Lasten der Kinder und jungen Familien geht. Durch den Wegfall der Harmonisierungsbeiträge wird ihnen jegliche Wahlmöglichkeit genommen. Eine private Einrichtung wird es sich dann nicht mehr leisten können, vier- und fünfjährige Kinder zu betreuen. Das kann und darf nicht die Intention einer modernen Familien- und Bildungspolitik sein. „