Der weiche Lockdown wird hart

Handel und Dienstleister vor Schließung, Diskussion um Produktion.
Wien Déjà-vu! Wieder galoppieren die Coronazahlen davon. Wieder stehen Einschränkungen bevor. Und wieder werden sie am Samstagnachmittag verkündet. Zwar gab es im Gegensatz zu vor zwei Wochen keine Pressekonferenz, in der die Pressekonferenz angekündigt wurde. Allerdings sprießen auch diesmal die Gerüchte, was alles bevorstehen könnte. Klar ist: Die Lockdownschraube wird angezogen. Die Beschränkungen dürften jenen im März sehr ähneln.
Ausgangssperre 24 Stunden
Nicht nur um die Schulschließungen wird hinter den Kulissen gerungen. Offenbar steht zur Diskussion, was mit der Produktion geschieht. Im ersten Lockdown blieben Produktionsbetriebe offen. Die Grünen sagen nun: Wenn die Schulen zusperren, dann aber alles, auch die Produktion. Für die Handelsbetriebe dürfte es jetzt eng werden. Sie müssen wohl zusperren, natürlich mit Ausnahme von Lebensmittelgeschäften, Banken und Co. Auch Dienstleister stehen vor der Schließung. Wie im Frühjahr soll die Ausgangsbeschränkung wieder 24 Stunden gelten. Medienberichten zufolge könnte zudem die Kontaktbeschränkung ausgeweitet werden. Statt wie bisher mit einem weiteren Haushalt sollen noch Treffen mit einer Person erlaubt sein. Eine Pflicht zum Homeoffice kommt wohl nicht, allerdings soll die Bundesregierung noch einmal eindringlich dazu aufrufen.
Alarm im Handel
Die Branchen sind alarmiert. Walter Simma, Chef des Zimaparks in Bürs, ärgert sich: „Für uns wäre eine Schließung nicht nachvollziehbar.“ Es gebe keine Cluster in Einkaufszentren. Außerdem halte man sich penibel an die Hygienevorschriften, Platz sei genug da. „Statt den stationären Handel zu stärken, stärkt man den Onlinehandel. Und das ausgerechnet im Weihnachtsgeschäft. Es geht ja auch um Arbeitsplätze.“ Eva Voit, Marketingchefin des Messeparks in Dornbirn, ist noch etwas vorsichtiger. „Wir kennen nur Gerüchte, es ist noch nichts fix.“ Sie möchte die Verordnung abwarten. „Das kennen wir ja aus der Vergangenheit. Innerhalb von wenigen Tagen kann sich etwas ändern, in der Verordnung steht es dann noch einmal ein bisschen anders.“ Der November sei schon wichtig für das Weihnachtsgeschäft, das hänge allerdings von mehreren Faktoren ab. „Es benötigt auch die Stimmung dazu. Wenn der erste Schnee fällt, zieht das Geschäft an“, erzählt Voit. Dass das Weihnachtsgeschäft schon angelaufen sei, merke man an den Gutscheinbestellungen.
Der Chef der Vorarlberger Industriellenvereinigung, Marin Ohneberg, warnt davor, die Produktionsbetriebe zu schließen. „Das wäre ein Kollateralschaden und politischer Selbstmord.“ Die Industrie halte sich an die Schutzmaßnahmen und habe die Coronasituation bisher im Griff gehabt. Die Betriebe fahren gerade erst wieder hoch, berichtet Ohneberg. Es gibt Aufträge aus China, den USA und der EU. „Unsere Kunden würden sich dann woanders umsehen.”
Schulen offen lassen
Er habe aber gehört, dass die Produktionsbetriebe offen bleiben. Das hofft er auch für die Schulen. „Wir wissen, dass die technische Ausstattung in manchen Schulen nicht für Homeschooling geschaffen ist. Es würde den Kindern schaden und natürlich auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Betreuungspflichten nachgehen müssen.“
Genaues weiß man heute um 16.30 Uhr, wenn die Regierung zur Pressekonferenz einlädt. Wieder ein Déjà-vu: Die Landesregierung war am Freitag nicht im Bilde, was kommt. Zumindest die ÖVP-Riege gab sich völlig unwissend.
Birgit Entner-Gerhold & Michael Prock