Republikaner müssen sich nach Trump neu aufstellen, sagt Experte Günter Bischof

Im Würgegriff des umstrittenen Noch-Präsidenten trauen sich hochrangige Parteigänger nicht aufzubegehren.
New Orleans Die Republikanische Partei in den USA ist zu einem Jubelverein von Donald Trump geworden, dessen willkürliche Handlungen demokratische Grundpfeiler aus der Verankerung zu reißen drohen. Was ist aus der „Grand old Party“ geworden, fragen sich viele Amerika-Kenner. Wie konservativ auch immer sie für viele Geschmäcker erscheint, so gab es bisher doch nie einen Zweifel an der Integrität der Partei in ihrer demokratischen Grundausrichtung mit Akzeptanz der elementaren Spielregeln.
Wo bleibt der parteiinterne Aufstand gegen Trump durch Männer von Zuschnitt eines John McCain, dem republikanischen Gegenkandidaten Barack Obamas im Jahre 2008? „Trump hat jeden Widerstand gebrochen. Viele wissen, wie er mit Kritikern umgeht und wollen es sich mit ihm nicht verscherzen“, erklärt der Historiker Günter Bischof (67).
“Trump hat jeden Widerstand in seiner Partei gebrochen. Niemand will es sich mit ihm verscherzen.”
Günter Bischof, Historiker in New Orleans
Der Mellauer, der das Geschichteinstitut der University of New Orleans leitet und seit über 30 Jahren in den USA lebt, verweist auf Quellen, die von aktiven Interventionen Trumps gegenüber den republikanischen Gouverneuren von Georgia und Arizona berichten. „Trump soll versucht haben, seine Parteikollegen zu Manipulationen bei der Auszählung zu bewegen“, sagt Bischof.
Trump und das Gesetz
Trumps Kampf mit allen Mitteln erklärt sich Bischof auch mit persönlichen Gründen des Amtsinhabers. „Ist Trump nicht mehr Präsident, kann er für vieles, was ihm an gesetzlosem Handeln vorgeworfen wird, gerichtlich belangt werden. Daher tut er alles, um im Amt zu bleiben.”
Die Republikaner sieht der Experte nach einem politischen Ende Trumps vor großen Herausforderungen. “Sie werden sich neu orientieren müssen und sich gezwungen sehen, wieder mehr in die Mitte zu rücken.”
Cindy McCain und andere
Offen Widerstand zeigen derzeit nur Republikaner, die Trump ohnehin den Fehdehandschuh bereits hingeworfen haben. Dazu zählt das sogenannte Lincoln Projekt, benannt nach dem legendären Präsidenten Abraham Lincoln. Dessen Initatoren rufen zum Widerstand gegen den New Yorker aus. Eine der Sprecherinnen der Gruppe ist Cindy McCain, Witwe des verstorbenen John McCain. Die McCains kommen aus Arizona. Das ist einer der hart umkämpften Bundesstaaten, in denen Trump um eine Mehrheit rang. “Es ist durchaus möglich, dass das Lincoln Project dem Präsidenten massiv schadete. Cindy McCain rief jedenfalls dazu auf, für Joe Biden zu stimmen”, sagt Bischof.