Große Bühne für die Bregenzer Stadtregierung

Im Festspielhaus wurde Michael Ritsch zum Bürgermeister angelobt.
BREGENZ Nach der doch für viele Bregenzer überraschenden Wahl von Michael Ritsch zum Bürgermeister der Landeshauptstadt herrschte bis zu dessen Angelobung ein Interregnum in Bregenz: Der längst gediente Bürgermeister der Stadt, Markus Linhart, hatte sein Mandat niedergelegt, der neu gewählte Bürgermeister wurde von Corona ins Bett gezwungen, sodass die Angelobung zweimal verschoben werden musste. Doch nun war es so weit: Bezirkshauptmann Dr. Elmar Zech vereidigte Ritsch, das Festspielhaus bot dafür die passende Bühne. Bregenz hatte damit wieder ein gewähltes Stadtoberhaupt.
Schauplatz Festspielhaus
Die große Bühne für Michael Ritsch war der Coronapandemie geschuldet, denn im Stadtvertretungssaal des Rathauses hätten die 36 Mitglieder der Stadtvertretung und die Mitarbeiter des Rathauses sowie die geladenen Medienvertreter samt der vorgeschriebenen Baby-Elefanten (für den notwendigen Abstand) keinen Platz gefunden.
Bis zur Angelobung des neuen Bürgermeisters wurde diese außergewöhnliche Sitzung der Stadtvertretung von Dr. Birgit Obernosterer-Führer, in der Stadt Bregenz verantwortlich für die Abteilung Bürgerservice und Sicherheit, geleitet.
Abschied schweren Herzens
Nach 22 Jahren als Stadtoberhaupt dankte Markus Linhart für die „vielen guten Jahre und für das Vertrauen, das ihm in dieser Zeit entgegengebracht worden war“. Der Abschied fiel ihm sichtlich schwer. Gelobt wurde er von Stadtrat Michael Rauth für das richtige Augenmaß, das er bei seinen Entscheidungen bewiesen hatte, für seine Nähe zu den Bürgern und schließlich zog Rauth Resümee: „Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann“. Anschließend verabschiedete sich Altbürgermeister Markus Linhart still und leise von der Bühne der Politik und des Festspielhauses.
Kooperation aller Parteien
Die Aufgabe des neuen Bürgermeisters wird nicht leicht: In der Stadtvertretung kann er nur auf elf Sitze seiner Partei zählen. Die ÖVP ist mit 15 Stadtvertretern stärkste Fraktion, sechs Sitze entfallen auf die Grünen, je zwei auf FPÖ und Neos. Auch im Stadtrat ist die ÖVP mit vier Sitzen vertreten, gefolgt von SPÖ (3) und Grünen (2). In seiner Antrittsrede betonte er, mit allen Fraktionen auf Augenhöhe sprechen und sie in Entscheidungen einbinden zu wollen.
Schoch bleibt Vizebürgermeisterin
Während die Wahl der (von den Fraktionen) vorgeschlagenen Stadträte programmgemäß verlief und alle Stadträte mit großer Mehrheit bestätigt wurden, gab es bei der Wahl der Vizebürgermeisterin ein knappes Ergebnis mit 19 Stimmen für Sandra Schoch und 17 für Veronika Marte. Dass die Bewerberin der Grünen alle Stimmen der SPÖ erhalten haben muss, um dieses Ergebnis zu erzielen – dahinter vermutet Veronika Marte eine Absprache. „Vom freien Spiel der Kräfte kann da kaum mehr die Rede sein“, so Marte, die jedoch betont, dass sich das nicht auf die konstruktive Zusammenarbeit auswirken werde. Bevor es jedoch zur Wahl gehen konnte, wurden die beiden Bewerberinnen auf Antrag der Neos zu einem 15-minütigen Hearing eingeladen, um zu erklären, wofür sie stehen. Fst

Stadtrat bregenz
Bürgermeister Michael Ritsch (SPÖ): Personalangelegenheiten, Finanzangelegenheiten, Vereine und Ehrenamt
1. Stadtrat Veronika Marte (ÖVP): Jugend, internationale Angelegenheiten und Städtepartnerschaft
2. Stadtrat Annette Fritsch (SPÖ): Soziales, Gesundheit, Senioren und Heime, Wohnungsangelegenheiten
3. Stadtrat Michael Rauth (ÖVP): Kultur, Musikschule, Stadtbücherei, Denkmalpflege, Stadtarchiv
4. Stadtrat und Vizebgm. Sandra Schoch, MA (Grüne): Integration, Frauen, Gleichberechtigung und LGBTIQ
5. Stadtrat Robert Pockenauer (SPÖ): Bau, Stadtentwicklung und Mobilität, Hafenangelegenheiten
6. Stadtrat Florian Rainer (ÖVP): Wirtschaft, Tourismus, Digitalisierung, regionale Angelegenheiten, Liegenschaften und Friedhöfe
7. Stadtrat Eveline Miessgang (SPÖ): Familie, Kinder, Schule und Bildung
8. Stadtrat Michael Felder (ÖVP): Sport, Sportplätze und Stadion
9. Stadtrat Heribert Hehle (Grüne): Umwelt, Klimaschutz und Energie, Tierschutz, Land- und Forstwirtschaft