Coronavirus lässt sich bekämpfen

In mehreren Nachbarländern stabilisieren sich die Infektionszahlen oder sinken sogar.
WIEN Wenn man sich die Entwicklungen in Vorarlberg anschaut, könnte man meinen, das Coronavirus breite sich einfach nur immer weiter aus: Im Bezirk Dornbirn wurden gestern 804 bestätigte Infektionen pro 100.000 Einwohner und Woche verzeichnet. Das sind außerordentlich viele. Im Bezirk Bludenz sind es 412, in Feldkirch 450 und in Bregenz 493. Das gesamte Land kommt laut Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit auf 539, und damit viel mehr als Österreich insgesamt (356). Es gibt jedoch Hoffnung: Beschränkungen bis hin zu einem Lockdown wirken. Hierzulande ist es damit gerade losgegangen. Einige Nachbarstaaten sind schon weiter – und die Kurven werden dort flacher oder sinken sogar. Beispiel Tschechien: Wie in Dornbirn im Kleinen ist dort die Zahl bestätigter Infektionen pro 100.000 Einwohner und Woche, die sogenannte Inzidenz, lange unaufhaltsam gestiegen. Es kam zum Lockdown. Die Inzidenz stieg zunächst weiter und belief sich am 27. Oktober auf 841. Seither sinkt sie. Es werden sogar wieder weniger aktive Fälle verzeichnet. Daraus könnte ein Trend werden: Die Reproduktionszahl, die angibt, wie viele weitere Personen eine infizierte ansteckt, ist erstmals seit Herbstanfang auf eins gesunken.
Noch hat freilich auch Tschechien einen weiten Weg vor sich: Innenminister Jan Hamáček schließt eine Verlängerung der nächtlichen Ausgangssperre bis Weihnachten nicht aus. Der Lockdown wird jedenfalls noch mehrere Wochen andauern. Bei allen erfreulichen Nachrichten gibt es zudem eine schlechte: Schwere Krankheitsverläufe werden erst mit zeitlicher Verzögerung deutlich. Und mit 225 sind diesen Montag so viele Todesfälle verzeichnet worden wie noch nie seit Beginn der Pandemie in dem elf Millionen Einwohner zählenden Land.
Hoffnung in der Schweiz
Unter ihren Höchstwerten bestätigter Neuinfektionen von Ende Oktober liegen auch die Nachbarstaaten Slowakei und Slowenien. In Slowenien dauert ein Lockdown ebenfalls schon länger an. Einen etwas anderen Weg hat die Schweiz gewählt. „Slowdown“ statt Lockdown ist dort bundesweit angesagt. Einzelne Kantone können weitergehen. Für eine erste Bilanz ist es zu früh. Virgine Masserey, Leiterin der Sektion Infektionskontrolle des Bundesamts für Gesundheit, erklärte gestern auf einer Pressekonferenz jedoch, dass sich die Zuwachsraten etwas abflachen würden.
Auch in der Schweiz reicht das noch lange nicht aus für eine Entwarnung: Auf den Intensivstationen seien laut Masserey nur noch begrenzte Kapazitäten verfügbar. Wenn es so weitergehe wie aktuell, seien sie in fünf Tagen voll. Allerdings würde es dann noch genügend Beatmungsgeräte geben. Eng würde es eher mit dem Personal werden. Im Fürstentum Liechtenstein hält sich der Zuwachs bestätigter Infektionen pro 100.000 Einwohner und Woche auf einem sehr hohen Niveau von rund 500. Runterzukommen ist die Herausforderung. Die Regierung schärft Beschränkungen nach: Seit heute dürfen nicht mehr bis zu 30, sondern höchstens zehn Personen privat zusammenkommen.