Mozartoper als köstlicher Genuss

Concerto Stella Matutina und Marionettenoper Lindau
erstmals vereint auf der Kulturbühne AmBach.
Götzis Als Höhepunkt der Konzertsaison von Stella Matutina kann gewiss die Zusammenarbeit mit der renommierten Marionettenbühne Lindau gelten. Als köstliche künstlerische Frucht entstand daraus die ebenso hochrangige wie herrlich populäre Produktion der Oper/Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Wegen Corona fanden in Götzis zwei Aufführungen Ende Oktober statt. Der Saal der Kulturbühne bot ein ungewohntes Bild: das Orchester wieder einmal in einem „Orchestergraben“, an der Rampe im Halbkreis die sechs Stühle für die Gesangssolisten, im Hintergrund die Marionettenbühne mit jenen schwarz gewandeten „Fingervirtuosen“, die den Figuren an Fäden Leben einhauchen, in der Höhe darüber thronend. Die im Jahre 2000 von Bernhard Leismüller gegründete Marionettenoper Lindau besitzt heute eine fest eingebaute Bühne im Stadttheater Lindau und ist meist ausverkauft. Seit 2010 sind auch Gastspiele mit einer zusätzlichen mobilen Bühne möglich. In Götzis gab’s nun die famose Trinität: kunstvoll gestaltete Puppen, Sängerinnen und Sänger live ebenso natürlich auch das Stella-Concerto unter der präzisen Leitung von Thomas Platzgummer (das versierte Barockensemble überraschte mit leichtfüßigem Mozart-Timbre).
Mozarts „Türkenoper“
Das Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“ (KV 384, UA 1782 in Wien) mit dem deutschen Libretto von Johann Gottlieb Stephanie d. J. (nach Bretzner) ist die sogenannte „Türkenoper“ Mozarts. Sie spielt an der türkischen Küste im 16. Jahrhundert und zeigt ganz prägnant das Faible des Salzburger Meisters für die damals populäre Janitscharenmusik mit ihren Instrumenten „Türkische Trommel“, Becken, Piccoloflöte, Triangel. Erwähnt sei auch der „Türkische Marsch“ der A-Dur-Sonate für Klavier oder das Violinkonzert Nr. 5… Mozart liebte in seinem Werk vor allem das orientalische Ambiente der Handlung mit prächtigem Herrscher Bassa Selim samt Harem, aber auch mit einem widerlichen Haremswächter, dem Eunuchen Osmin, der als brüllender Christenhasser diesen „Gottlosen“ einen grausamen Tod wünscht … Der edelmütige Bassa Selim hingegen ist ein Türke ohne Hass und mit hohem ethischem Format. Und in diesem Ambiente kämpfen nun zwei Paare in der Gewalt des Bassa um ihre Befreiung durch eine Entführung aus dem Serail: der vornehme Spanier Belmonte und seine Braut Konstanze, sein Diener Pedrillo und Freundin Blonde, die Zofe von Konstanze.
Harmonisches Künstlerensemble
Das klangschöne Orchester in erfreulicher Balance mit den bezaubernden Marionetten (der geniale Leismüller und seine acht Puppenspieler) und den hervorragenden Gesangssolisten bot ein Kunsterlebnis des lustvollen Hörens und Schauens. Zwei Solisten sind Vorarlberger: der bekannte Schauspieler Hubert Dragaschnig als würdiger Bassa Selim (Sprechrolle) und der markante Bass Martin Summer als überschäumend böser Osmin. Konstanze (Gloria Rehm, Sopran) und Belmonte (Daniel Johannsen, Tenor) waren das seriöse, strahlende Liebespaar der Spitzentöne; Blonde (Theodora Raftis, Sopran) und Pedrillo (Michael Feyfar, Tenor) das muntere „Buffopaar“. Einige Highlights etwa – Konstanze im Dialog mit ihrer Puppe, die Schaukelszene Blonde/Osmin, Martin Summer als weinseliger Sünder Mohammeds… SCH