„Wir sind total am Ende“

Zirkusfamilie, die im März im Land gestrandet ist, hofft auf Hilfe.
Bregenz Die Pechsträhne von Adolf Lauenburger und seiner Familie will offenbar nicht abreißen. Erst wurde der Classic Circus Berlin von einem kranken Lustenauer Pferd gestoppt, dann von Corona (die VN berichteten). Nach den vielen schwierigen Monaten ohne Auftritte hätte es für die Artistenfamilie jetzt eigentlich wieder aufwärts gehen sollen. „Unser Zelt war bereits nach Paderborn vermietet, die Pferde sollten alle nach Madrid zu einem Weihnachtszirkus. Wir waren ganz stolz. Wir hätten wieder Geld verdient“, erzählt der Zirkusdirektor. Auf die Hoffnung folgte in dieser Woche allerdings die Enttäuschung. Sowohl in Deutschland als auch in Spanien wurden die Maßnahmen im Kampf gegen das Virus weiter verschärft. Statt der erhofften Gastspiele hagelte es laut Adolf Lauenburger Absagen. „Wir sind total am Ende. Es ist kein Futter mehr da. Alle Ersparnisse sind aufgebraucht“, sagt er.
Sperrzone
Rückblick: Im Juli des Vorjahres wurde bei einem Pferd in Lustenau eine Tierseuche festgestellt. Der Amtstierarzt verhängte daraufhin im Radius von einem Kilometer rund um den Stall eine Sperrzone. Alle Pferde, die sich dort aufhielten, darunter die Zirkuspferde der Lauenburgers, durften das Gebiet 90 Tage nicht verlassen. Nach der Winterpause wäre am 12. März ein Gastspiel in Bregenz geplant gewesen, doch dazu kam es aus den bekannten Gründen nicht mehr. Lockdown! Seit Mai lebt die siebenköpfige Familie mit ihren Tieren auf einem leerstehenden Firmengelände in Neu Amerika 4 in Bregenz. Doch der Aufenthalt hat ein Ablaufdatum. Das Gebäude soll demnächst abgerissen werden. “Eigentlich müssten wir bereits draußen sein”, ergänzt der Zirkuschef. Doch wohin mit den vier sibirischen Kamelen, den elf Pferden, den zwei Ponys und den Fahrzeugen? Lauenburger: “Wir suchen immer noch einen vernünftigen Stellplatz hier in der Nähe. Wir können ja auch nicht sehr weit wegfahren, weil von einem Lkw der Motor kaputt ist.”

Die Tiere zu verkaufen ist für die Zirkusfamilie in sechster Generation derzeit noch keine Option. “Wenn wir die Tiere verkaufen, können wir gleich den Zirkus auflösen. Aber wem ist dann geholfen? Wir hoffen ganz doll, dass ab nächstem Jahr auch mal wieder gute Zeiten für uns kommen”, unterstreicht Lauenburger. Damit es nach dem Winter weitergehen kann, hofft der Unternehmer einmal mehr auf die Hilfe der Vorarlberger. “Es wäre schön, wenn uns jemand mit Futter unterstützen könnte. Heu, Pferdepellets, Karotten.”
Für nähere Informationen: Adolf Lauenburger ist unter der Tel. +49 174 1633859 erreichbar.