„Offen und aktiv auf die Bürger zugehen“

Vom Gemeindesekretär schaffte es Jürgen Bachmann mit eigener Liste auf den Bürgermeistersessel.
Zwischenwasser „Wer etwas bewegen möchte, muss aktiv werden.“ So lautet das Motto von Jürgen Bachmann, der mit der neuen Liste „Z3 Wir bewegen Zwischenwasser“ mit Erfolg gegen Gemeindechef Kilian Tschabrun (VP) in den Gemeindewahlkampf zog. Im Gespräch mit VN-Redakteur Tony Walser sprach der neue Gemeindechef über den hohen Zuspruch, den er bei der Wahl erhielt, die Gemeindefinanzen und anstehende Projekte in Zwischenwasser
Sie sind vom Gemeindesekretär auf den Bürgermeisterposten gewechselt. Was hat Sie dazu bewogen?
Bachmann Ich bin diesbezüglich schon seit Jahren von Bürgern und Gemeindemandataren angesprochen worden. Ich habe mir dann einen Ruck gegeben, da ich gespürt habe, dass Zwischenwasser eine Veränderung braucht.
Bei Ihrem ersten Antritt erreichten Sie bei der Bürgermeisterwahl fast 70 Prozent der Stimmen. Worauf führen Sie diese Zustimmung zurück?
Bachmann Einmal mein Bekanntheitsgrad durch meine Tätigkeit als Gemeindesekretär. Ich bin sehr bürgernah und nehme mir Zeit für die Anliegen der Menschen. Ich glaube, es ist gerade heute wichtig, die Bürger abzuholen, zuzuhören und die Probleme nicht gleich zu bewerten. Das Miteinanderreden hat sicher die höchste Priorität.
Worin unterscheiden Sie sich in Ihrem Amtsverständnis bzw. in Ihrem Agieren von Ihrem Vorgänger?
Bachmann Ich schließe mich nicht im Gemeindeamt ein, sondern verfolge eine Politik der offenen Tür und bin stets bemüht, Anfragen schnellstmöglich zu beantworten. Gleichzeitig möchte ich aber auch offen und aktiv auf die Bürger zugehen.
Sie haben mit Ihrer Liste Z3 mit elf von 24 Sitzen keine Mehrheit. Setzen Sie zukünftig auf das Spiel der freien Kräfte?
Bachmann Unsere Liste Z3 ist die jüngste der vier in der Gemeindevertretung vertretenen Fraktionen und hat mit Abstand den größten Erfolg eingefahren. Dennoch suchen wir den Dialog. Die anderen Fraktionen sollen nicht nur als Kontrollorgan auftreten. Wenn die Themen tiefer und schwerer werden, wird es sicher Koalitionen und Kooperationen brauchen. Auch die bisherige Streitgesprächskultur in Zwischenwasser soll der Vergangenheit angehören. Dafür stehe ich.
Wie sieht es in Zwischenwasser mit den Finanzen aus und welche Probleme sehen Sie dahingehend auf die Gemeinde zukommen?
Bachmann Die Gemeinde Zwischenwasser mit ihrer vielfältigen Dorfstruktur – drei Kirchen, drei Feuerwehren, vier Schulen, viele Parzellen, wenig Industrie – leidet sicherlich unter der aktuellen Situation. Vor allem auch, da wir nicht wissen, was nächstes Jahr auf uns zukommen wird. Wir müssen daher sehr sparsam und mit großer Weitsicht handeln. Aus meiner Erfahrung heraus wird es sicher schwierig sein, die laufenden Kosten durch die Einnahmen zu decken. Ich gehe davon aus, dass wir Kredite aufnehmen müssen, um die dringlichsten Projekte auch umsetzen zu können.
Gibt es Projekte, die bereits aufs Abstellgleis gestellt werden mussten?
Bachmann Die Ortsentwicklungen in Batschuns und Muntlix, die werden warten müssen, da die Zeit und auch das Geld fehlen.
Wie sieht es beim Thema leistbarer Wohnraum in Zwischenwasser aus? Gibt es aktuell eine Warteliste?
Bachmann Es sind derzeit rund 40 bis 50 Personen beziehungsweise Familien, die leistbaren Wohnraum benötigen. Wir konnten aber erst kürzlich zwei gemeinnützige Wohnbauten eröffnen, einmal in Muntlix und einmal in Dafins. Aktuell wird ein drittes Projekt mit der Vogewosi in Muntlix umgesetzt. Der geplante Einzugstermin ist September 2021. Im Bereich sozialer Wohnbau tut sich also etwas.
Gibt es Abwanderungstendenzen?
Bachmann Ja, es gibt leichte Abwanderungstendenzen, besonders von Personen, die sich den Wunsch nach einem eigenen Haus erfüllen möchten. Aufgrund des aktuellen räumlichen Entwicklungsplans, der sehr stur und eng gestaltet ist, gibt es keinen Spielraum. Viele haben allerdings keine Zeit zu warten, bis dieser – voraussichtlich bis 2022 – überarbeitet ist. Hier müssen wir also gegensteuern. Mein Ziel ist es, Möglichkeiten für Einheimische
zu schaffen, damit sie im Dorf bleiben.
Eine persönliche Frage, sind Sie Mitglied der ÖVP?
Bachmann Nein, bin ich nicht, ich bin parteilos. Aus meiner Sicht haben gerade in Gemeinden in der Größenordnung von Zwischenwasser Parteigedanken keinen Platz. Wir brauchen die besten Köpfe im Dorf, damit sich in der Gemeinde was bewegen kann. Mir persönlich ist egal, welche Partei – wenn jemand eine gute Idee vorbringt, dann unterstütze ich sie. Es sollten immer die Vision und das Ziel an erster Stelle stehen, für die Gemeinde etwas Gutes zu tun.
Die Tätigkeit als Gemeindechef gilt als zeitraubend und belastend. Wie gehen Sie die Aufgabe an und wo schöpfen Sie Energie?
Bachmann Die Tätigkeit als Bürgermeister sehe ich nicht als Arbeit, sondern ich sehe sie als Berufung. Bereits in meiner Funktion als Gemeindesekretär habe ich mehr geleistet, als auf dem Papier stand. Dazu braucht man natürlich ein bisschen Freiraum und eine starke Familie hinter sich. Das habe ich.